Der Dorfsheriff auf kulinarischen Abwegen

Auch im siebten Fall um Franz Eberhofer überzeugt Rita Falk auf der Buchmesse.

»Heats ihr mich gscheid?« Nach schnarrenden Rückkopplungsgeräuschen des Mikrofons tönt Rita Falks leicht heisere Stimme laut durch das Paulaner, dem Bayerischen Wirtshaus in Leipzig. Am Freitag der Buchmesse ist der Nebenraum der Gaststätte zum Bersten gefüllt und einige zusätzliche Stühle wurden zwischen die Tische gezwängt. Die Begeisterung über die Kriminalfälle um Dorfpolizisten Franz Eberhofer reißt auch beim siebten Band der oberbayerischen Autorin nicht ab.

»Leberkäsjunkie« heißt der Provinzkrimi und spielt schon im Titel auf eins der Probleme an, mit denen Eberhofer neuerdings zurechtkommen muss: Die deftige Küche von der Oma und die Genüsse aus der Metzgerei Simmerl müssen in nächster Zeit zurückgestellt werden. Bei seinen schlechten Cholesterinwerten stehen grüne Smoothies und fades Gemüse auf dem Speiseplan, was dem bayerischen Gourmet natürlich gar nicht schmeckt. Aber auch sonst läuft nicht alles rund. Die Susi, seine Immer-Mal-Wieder-Freundin, lässt ihn den kleinen Sohnemann Paul nur jeden Freitag sehen, und im Dorf kochen die Gemüter, weil die Frage der Hotelplanung im schönen Niederkaltenkirchen im Raum steht. Wie soll der Eberhofer bei so viel Trubel auch noch den Mord an der schönen Saskia aufklären, die bei einem Brand in der Pension von der Mooshammer Liesl ums Leben kam?

Rita Falk, Jahrgang 1964, liest inmitten der vollen Tische, umgeben vom Duft der bayerischen Küche. Ihre dialektale Klangfärbung unterstützt die authentische und manchmal derbe Sprache, wobei kleine Verhaspler den Vortrag noch sympathischer gestalten. Man bekommt den Eindruck, Franz Eberhofer sitze in der Dorfkneipe beim Wolfi und erzähle die neuesten Begebenheiten aus Niederkaltenkirchen. Das Publikum reagiert mit herzlichen Lachern und bei der Nennung bekannter Figuren ertönt ein erwartungsfrohes Kichern. Die Autorin weiß genau, wann sie Raum für die Reaktionen geben muss, ohne den Lesefluss zu unterbrechen. Die Liebe zu ihren fein gezeichneten, manchmal auch überzeichneten Figuren hört man ihrem Tonfall an.

Wer noch nicht genug hat von den Protagonisten der bayerischen Provinz, wird auf die eigene Website von Franz Eberhofer verwiesen, auf der man auch ein Glossar bayrischer Ausdrücke und einige Rezepte der Oma finden kann. Vielleicht greifen auch einige der sächsischen Besucher darauf zurück, um der »Völkerverständigung« etwas auf die Sprünge zu helfen.


Die Veranstaltung: Rita Falk liest aus Leberkäsjunkie, Paulaner, 18.3.2016, 20 Uhr

Das Buch: Rita Falk: Leberkäsjunkie. dtv, München 2016, 316 Seiten, 15,90 Euro, E-Book 13,99 Euro


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Die Rezensentin: Katharina Stork

 


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