Der Bösewicht im Inneren

Autor Andreas Götz liest auf der Buchmesse aus dem zweiten Band von »Bad Boys & Little Bitches – Kleine Sünden«.

Verlag Friedrich Oetinger. © Kerstin Schürmann

Am Samstagnachmittag ist es laut und voll auf der Buchmesse. Im allgemeinen Gemurmel und dem Applaus von der Nebenbühne geht es fast unter, als Autor Andreas Götz die Bühne der Lesebude 2 betritt. Er setzt sich und wartet geduldig, bis Helga Blümlein ihn anmoderiert. Kein Wunder, denn er beschreibt sich selbst als eher introvertiert. Doch es braucht nicht lang, um zu erkennen, dass mehr in ihm steckt. »Wenn sie wählen dürften, welche Art von Figur wären sie am liebsten?«, fragt die Moderatorin und Götz zögert nicht einen Moment mit seiner Antwort: »Der Bösewicht, weil man da eine Seite von sich ausleben kann, die man sonst so gut es geht unterdrückt.«

Seine aktuelle Buchreihe »Bad Boys & Little Bitches« handelt daher auch nicht von vier unschuldigen Jugendlichen, sondern von Charakteren mit mehr als einer Ecke und Kante. Lisi, Elif, Leon und Finn tragen alle ihre dunklen Geheimnisse mit sich. Doch wie es sich für beste Freunde gehört, halten sie auch in schweren Zeiten zusammen. Nur Einzelgänger Konni glaubt nicht an die Existenz wahrer Freundschaft. Er kennt all ihre Schwächen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gruppe von innen heraus zu zerstören.

Andreas Götz. © Lisa Dickreiter

Passend dazu steigt Götz bei der Vorstellung des zweiten Teils, »Bad Boys & Little Bitches. Kleine Sünden«, beim Lesen mit dem Bösewicht ein. Mit Konni wählt er einen außergewöhnlichen Ansatz. Während bei vergleichbaren Jugenddramen wie »Pretty Little Liars« die rätselhafte Suche nach dem Verschwörer im Vordergrund steht, gibt Götz ihm von Anfang an ein Gesicht und eine Geschichte. Wie diese ausgeht, bleibt an dieser Stelle natürlich offen.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob er von Beginn an wisse, wie ein Buch endet, sagt er: »Natürlich habe ich bereits eine Idee für den Schluss, wenn ich mit dem Schreiben einer neuen Geschichte anfange. Aber während man schreibt, entwickeln die Figuren ein Eigenleben. Da kann es schon mal passieren, dass alles ganz anders kommt als geplant.« Zweifelsohne lernt man dabei auch eine Menge über sich selbst, schließlich steckt in jeder Figur ein Teil von einem. Und so können sich die Zuhörer am Ende der Lesung sicher sein, dass in Autor Andreas Götz, der zudem als Journalist und Übersetzer tätig ist, mehr steckt als nur ein introvertierter Typ.

Beitragsbild: Autor Andreas Götz (links) mit Moderatorin Helga Blümlein (links). © Anja Kalz


Die Veranstaltung: Andreas Götz liest aus dem zweiten Teil von Bad Boys & Little Bitches, Moderation: Helga Blümlein, Leipziger Buchmesse Lesebude 2, 17.3.2018, 13 Uhr

Das Buch: Andreas Götz: Bad Boys & Little Bitches – Kleine Sünden. Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 2018, 336 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 11,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Anja Kalz

 


 

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