Das vergessene Paradies der Literaten

Erzählungen über die weiße Villa in Petzow.

»Und am Ende der Straße steht ein Haus am See. Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg. Ich hab zwanzig Kinder, meine Frau ist schön. Alle komm’n vorbei, ich brauch nie rauszugehen«, singt Peter Fox in seinem Lied »Haus am See«. Das Phänomen, sich nach einem Rückzugsort in einer romantisch gelegenen Natur zu sehnen, ist vielen Menschen nur allzu gut bekannt. Einen Ort, wo man die Seele baumeln lassen kann und gemeinsam die Sommermonate verbringt, lauschig gelegen an einem kühlen See und umgeben von großen Bäumen.

Petzow_Umschlag_Druck02.inddIn dem kleinen Ort Petzow steht dieser wahrgewordene Traum in Form einer Villa. 1925 erbaute ein Emporkömmling das schöne Anwesen, ging jedoch pleite. Danach war es zeitweise in Händen eines hohen SS-Mitglieds. Zwischen 1955 und 1990 gehörte es dann dem Schriftstellerverband der DDR zugänglich – und wurde dadurch zu einer »Villa der Worte«, wie es der Titel des Buches »Petzow – Villa der Worte. Das Schriftstellerheim in Erinnerungen und Gedichten«, verrät. DDR-Literatur-Größen wie Georg Maurer oder Günter de Bruyn verbrachten hier ihre Sommermonate und tankten Inspiration in dem weißen Haus, das direkt am Schwielowsee liegt. Gemeinsam verbrachte man die Tage und tauschte sich über neue Projekte und Texte aus. Diese wertvollen Erinnerungen hat ein Schriftstellerteam von über fünfzig Autoren gesammelt. Darunter sind Gedichte, Tagebucheinträge und kleine Notizen über die Zeit in Petzow.

Im Literaturforum der Buchmesse Leipzig haben sich heute vier der Autoren Christel Hartinger, Peter Gosse, Ralph Grüneberger und Burkhard Raue, mitsamt dem Verleger André Förster und dem Grafiker des Buches zusammengefunden, um das Buch vorzustellen.

Hartinger beginnt vom Sommer 1969 zu erzählen, als sie das erste Mal nach Petzow kam. Sie nennt ein Zitat von Elfriede Brüning über die Villa: »Petzow war eine Art zweite Heimat.« Nostalgie ist deutlich in ihren Ausführungen wahrzunehmen. Es scheint, als wäre dieser Ort wesentlich mehr als nur Erholungsheim gewesen. Das wird auch durch die kurzen Textabschnitte deutlich, welche die drei weiteren Autoren vorlesen. Dabei handelt es sich um eigene Erfahrungen oder Anekdoten. Als Zuhörer merkt man immer mehr, wie man selbst gerne an diesen Ort fahren würde und auf dem See rudern möchte. Ein wahres vergessenes Paradies für Schriftsteller.

Nur eine knappe halbe Stunde geht die Lesung, doch die Neugier ist geweckt, mehr über diesen Ort zu erfahren. Das Buch ist ein echter Geheimtipp für Literaturwissenschaftler und Träumer, die gerne von vergangenen Tagen hören und mehr über die ehemaligen Größen der DDR erfahren wollen. Zum Schluss bedankt sich André Förster für die Aufmerksamkeit des Publikums und verweist nochmals auf den Wert dieses Projekts, damit Petzow nicht in Vergessenheit gerät und die »Villa der Worte« in Erinnerungen bewahrt wird.

Christel Hartinger im Gespräch © Clara Beier
Christel Hartinger im Gespräch © Clara Beier

Die Veranstaltung: Lesung mit Christel Harting, Peter Gosse, Ralph Grüneberger, Burkhard Raue von dem Roman Petzow – Villa der Worte, Mitwirkende:André Förster, Leipziger Buchmesse Forum Literatur Halle 5 Stand K 600, 19.3.2016, 12.30 Uhr

Das Buch: Margrid Bircken, Christel Hartinger, Marianne Schmidt, Harald Kretzschmar, Burkhard Raue: Petzow – Villa der Worte. Das Schriftstellerheim in Erinnerungen und Gedichten. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2016, 304 Seiten, 19,99 Euro


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Die Rezensentin: Clara Beier

 


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