»Da ist für jeden von euch kleinen Sündern was dabei«

Wie die Buchmesse inoffiziell eröffnet und wieder geschlossen wurde.

Mittwoch, 20.00 Uhr, das Werk 2 vollbesetzt. Die Bühne, dekoriert mit Straßenschildern und roten Sesseln, leer. Im Publikum sieht man Alt und Jung, Hippie und Bürokrat gespannt warten.

Zum Lied »Schkeuditzer Kreuz« betreten Franziska Wilhelm, André Herrmann, Julius Fischer, Kurt Mondaugen und der mundschutztragende Hauke »Reverend« von Grimm die Bühne. Herrmann und Fischer eröffnen den Abend mit den Worten  »Willkommen zur mutmaßlich letzten Lesebühne Schkeuditzer Kreuz«. Denn bekanntlich legt Corona alle Events lahm. Zum Schutz aller führt Mondaugen ein Räucherritual durch, nun nimmt selbst der Reverend seinen Mundschutz ab.

Wilhelm beginnt. Ihr Text thematisiert Prepping in Coronazeiten. Er ist nicht der einzige mit dieser Hauptfigur. Der Reverend »predigt«, um uns kleine Sünder zu stärken, Fischers Alter Ego wird auf eine Coronaparty mit Leipzigs Patient Null eingeladen und Mondaugen muss im Auftrag von Spahn und Seehofer Sätze für beruhigende Teebeutel verfassen. Obwohl die Texte sehr gut sind und Literatur das Zeitgeschehen kommentieren soll, reicht es mit den Coronawitzen. Aber, um Herrmann zu zitieren: »Könnte ich mich drüber aufregen, aber mach´ ich nicht«.

Abwechslung kommt nach der Pause. Fischers aktueller Einblick in seine Reihe »Ich hasse Menschen« begeistert nicht nur Zuschauer, auch Herrmann krümmt sich vor Lachen in seinem Sessel.

Eigentlich hätte die Lesebühne die Messe inoffiziell eröffnet. Nun ist sie eben direkt wieder geschlossen worden. Trotzdem können alle Anwesenden sagen, dass sie 2020 auf der Messe waren. Herrmann trägt einen Text über die Tücken der Messe vor, der einem das Gefühl gab, da gewesen zu sein. Und Wilhelm machte ihre eigene »Nicht-Buchmesse-Preisverleihung«.

Hoffen wir, dass die nächste Lesebühne bald stattfindet, dann ist wieder für jeden von uns kleinen Sündern was dabei.


Die Rezensentin: Elin Jörß

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