Binationaler Krimi-Salat rund um Belgrad

Eine Lesung mit realem Mordfall, Gemüse-Metaphern und Zusammenarbeit trotz großer Entfernung.

»Serbien – ein Land, von dem wir immer noch zu wenig wissen«, sagt Kerstin Beaujean vom Diogenes Verlag, als sie die Lesung einleitet. Und damit hat sie, das muss man wohl zugeben, recht. Doch dies ändert sich mit der Lektüre von »Pfingstrosenrot«. Der Roman ist bereits die zweite Partnerarbeit von Christian Schünemann und Jelena Volić. Wie auch im ersten Roman »Kornblumenblau« ist wieder Milena Lukin die Protagonistin. Es geht um Geflüchtete und Politiker – Themen, welche nicht nur Serbien beschäftigen. Genauer gesagt handelt es sich um ein altes Ehepaar, das vor fünfzehn Jahren aus dem Kosovo nach Serbien geflüchtet ist. Nun kehren die beiden wieder in die Heimat zurück– und werden dort in ihrem Haus brutal ermordet.

Der neue Roman »Pfingstrosenrot«, im Hintergrund Jelena Volić. © Tobias Polze, www.facebook.de/digitalfototobi
Der neue Roman »Pfingstrosenrot«, im Hintergrund Jelena Volić. © Tobias Polze

Doch das Schicksal des Ehepaares ist kein fiktives. Schünemann und Volić diente ein realer Fall als Vorlage für ihre Neuerscheinung. Auf die Frage, wie man darauf stößt, antwortet Volić: »Es ist ein Fall, der ganz Serbien besonders erschüttert hat.« Nach und nach haben die beiden Autoren dann die Geschichte rund um den Fall und Milena Lukin gespannt. Wie man sich diese Zusammenarbeit vorstellen kann? »Es belastet vor allem die Reise und Telefonkosten«, sagt Schünemann. Weiterhin beschreibt er die Vermischung verschiedener Ideen als einen bunten Salat, aus dem beide Autoren dann immer mehr ihre Geschichte konstruieren.

Und wie auch bei einem guten Gericht ist es die Mischung, die das Buch ausmacht. Da die Handlung in Belgrad spielt, musste sich Schünemann natürlich auch einen Einblick in die Stadt verschaffen. »Es ist wie Klavierspielen, nur dass nicht jeder seine Partie spielt, sondern die Hände sich kreuzen«, so Volić. Diese Mischung macht dem Leser den Einstieg in das Buch einfach und zeigt ihm, dass Serbien und vor allem Belgrad anders sein können, als sie eventuell in den Köpfen vieler existieren. Laut Schünemann könnte man es auch als das neue Berlin bezeichnen, was vor allem daran liegt, dass viele junge geflüchtete Leute jetzt zurückkehren und angesagte Bars oder Restaurants eröffnen.

An diesem Nachmittag geht es auch um aktuelle politische Themen, Beaujean bezeichnet Volić als Flüchtlingsexpertin. Leider ergibt sich auf der Messe nicht die Zeit und die Atmosphäre, die es braucht, um so wichtige Themen zu diskutieren. Aber trotz lautem Hintergrund, klingelnder Telefone und problematischen Mikrofonen zeigt die Lesung eines: Menschen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Angewohnheiten und Kulturen, können wunderbar miteinander arbeiten und ein Buch schreiben, das Spannung und Witz vereinbart und wiederum von ganz unterschiedlichen Menschen gelesen wird. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich daraus auch eine Freundschaft – trotz 1.200 Kilometern Entfernung.


Die Veranstaltung: Christian Schünemann und Jelena Volić lesen aus Pfingstrosenrot, Moderation: Kerstin Beaujean, Messe Halle 3, Stand E401, 18.3.2016, 16.30 Uhr

Das Buch: Christian Schünemann und Jelena Volić: Pfingstrosenrot, Zürich 2016, 368 Seiten, 22 Euro, E-Book 18,99 Euro


 

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Die Rezensentin: Laura Hüser

 

 


 

 

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