Beschwörung des Bösen auf dem Spielplatz

Eine Lesung zum Gartenleitfaden für alle rund um »böse Wesen« alias Giftpflanzen.

In einem Hinterhof hat es sich das Publikum, dreizehn an der Zahl – Zufall? –, auf den um einen Sandkasten platzierten Campingstühlen und Bänken gemütlich gemacht. Einige haben Proviant dabei: Oblaten, Maisstangen, Pizza, Bier. Die Sonne geht langsam unter, eine Thermoskanne und eine Wolldecke dürfen also auch nicht fehlen. Es ist eine heimelige, familiäre Runde und man hat das Gefühl, man verbringt einen Abend am Lagerfeuer. Genau richtig für einen Ausflug in die Welt der Boshaftigkeit.

© Argument Verlag + ariadne

Autorin Monika Geier geht heute der Frage nach, ob wirklich alles Gift ist und ob es wirklich auf die Dosis ankommt, wie Paracelsus sagte. Dazu stellt sie in gewitzten Worten Informationen aus ihrem neuen Buch »Voll fiese Flora« über unterschiedliche Giftpflanzen vor, unter anderem den schwarzen Nachtschatten, die Zaunrübe, den Fliegenpilz und die Bittermandel. Die Eibe leitet sie mit einer passenden Passage aus ihrem Krimi »Alles so hell da vorn« ein, in der wir erfahren, dass die Eibe hochgiftig ist und alles Licht verschluckt. In kurzen Pausen, in denen Geier manchmal nicht auf Anhieb die gewünschte Pflanze in ihrem nachhaltig produzierten Gartenleitfaden findet, versichert sie sich immer wieder, ob uns nicht schon zu kalt sei und wir noch fit genug seien. Auch erzählt sie ab und an einen kleinen Schwank aus ihrem Leben in der Pfalz und erklärt uns ein paar dialektale Wörter.

Autorin Monika Geier. © Argument Verlag + ariadne

»Geht es bei Gift um die Gefahr, um das Böse? Ab wann setzt die Bosheit ein?« Um diese Fragen zu klären und die Worte Paracelsus‘ auszuleuchten, beschwören wir das Böse, was kurioserweise zur Erheiterung im Publikum führt. Dafür liest Geier die Beschwörungsformel der drei Hexen aus »Macbeth« vor. Zudem erfahren wir, welche Zutaten in dem Zaubertrank gewesen sind, wie teils giftig, teils unwirksam und schwer zu schlucken sie sind und welch irrwitziger Übersetzungsfehler Schiller unterlaufen ist.

Kurz vor Ende darf die obligatorisch umfallende, klirrende Mateflasche, die sowohl jeder Dozent als auch Student aus den Hörsälen kennt, nicht fehlen. Gekonnt ignorieren wir diese Störung, genauso wie eine Familie, die vom Einkauf nach Hause zurückkehrt und uns perplex mustert. Da es langsam doch kühl wird, beendet Geier die Lesung mit etwas Schönem, der Rose, und versucht, so warm wie möglich zu lesen. Mit mulmigem Gefühl über all die »bösen Wesen«, aber auch wohlig aufgewärmt durch ihre Stimme, löst sich das Publikum langsam auf und geht seiner Wege. Nach dieser Lesung werden in Zukunft sicherlich alle nach Giftpflanzen im eigenen Garten oder auf umliegenden Wiesen Ausschau halten.

Beitragsbild: Die gemütliche Runde auf dem Hinterhof-Spielplatz. © Antje Winkler


Die Veranstaltung: »Voll fiese Flora: Einheimische Giftpflanzen schwesterlich betrachtet« mit Monika Geier, Moderation: Susanne Ruccius & Else Laudan, Hinterhof Mockau, Beuthstraße 151, Freitag, 28.05.2021, 19.30-20.30 Uhr


Das Buch: Monika Geier: Voll fiese Flora. Einheimische Giftpflanzen schwesterlich betrachtet. Hamburg: Argument Verlag + ariadne 2021. 96 S., 15 €


                                              

 

Die Rezensentin: Antje Winkler

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