Aus Fehlern lernen

Unsere Redakteurin analysiert den Umgang mit rechten Verlagen auf der Leipziger Buchmesse.

»Meinungsfreiheit nutzen, Rechten widersprechen« – dieses Ziel hatte sich das Bündnis #Verlagegegenrechts im Vorfeld der Leipziger Buchmesse gesetzt und dies auch auf einer Kundgebung am Vortag der Messe demonstriert. Mit Erfolg? Es ist Zeit für eine Bilanz.

Wir erinnern uns: Frankfurter Buchmesse, Herbst 2017, vor dem Stand des Antaios-Verlags. Hier werden Bücher mit Titeln wie »Mit Linken leben« oder »Kulturrevolution von rechts« verkauft. Linke Demonstranten skandieren: »Nationalismus raus aus den Köpfen!« Die Antwort der Antaios-Leute: »Jeder hasst die Antifa!« Die Stimmung ist aufgeheizt, es kommt zum Eklat.

Infolgedessen werden die sogenannten rechten Verlage zum Gesprächsthema Nummer eins: Gehören reche Verlage auf die Buchmesse? Kann man dieses Spiel gewinnen? Fragen über Fragen, auf die scheinbar jedes Medium eine Antwort geben möchte. Das zieht sich bis zur Leipziger Buchmesse so durch.

Anfang Januar stellt sich Messechef Oliver Zille diesen Fragen. Die Messeleitung habe keine Handhabe dafür, Verlage von der Messe auszuschließen, solange diese mit ihrem Tun nicht gegen Gesetze verstoßen würden. Sein Mantra: »Wir müssen das aushalten.«

Dieses »Aushalten« sah in Leipzig so aus: vier rechte Verlage – darunter Antaios und Compact – haben es geschafft, die Berichterstattung und den Diskurs rund um die Leipziger Buchmesse zu dominieren. Bei einer Gesamtzahl an 2.600 Ausstellern ist das alles andere als verhätlnismäßig. Zumal sich Antaios und Co. noch nicht einmal um diese Aufmerksamkeit bemühen mussten. Sie kam ihnen unaufgefordert zu. So standen die rechten Aussteller in Halle 3 stets im Mittelpunkt jeglichen Medieninteresses. Ein Beispiel: Als am Samstagnachmittag Gerüchte von einer spontanen Demo gegen rechts laut wurden, bildete sich vor dem Antaios-Stand eine Traube von Journalisten. Sie fotografierten und filmten Bücher sowie den Verleger Götz Kubitschek und seine Frau Ellen Kositzer und – nichts passierte. Zwei Stunden lang. Ein lächerliches Bild.

Dann jedoch – und das war der zweite Fehler – kamen die Demonstranten und plötzlich spielte sich eine ähnliche Szenerie wie in Frankfurt ab: Rangeleien, Zwischenrufe und eine aufgeheizte Stimmung, wenn auch – glücklicherweise – ohne vergleichbares Gewaltpotenzial. Am selben Abend war das natürlich bundesweit Thema in allen Medien.

Eigentlich ist an diesem Medieninteresse und dem Widerstand nichts verkehrt. Die einen machen ihren Job, die anderen treten für ihre politische Überzeugung ein. Das Problem dabei ist: Am Ende nutzt es den rechten Verlagen vermutlich mehr als der Gegenseite. Denn so funktioniert die Maschinerie der Rechten: Sie inszenieren sich als Opfer und treffen damit einen Nerv in der Gesellschaft. Insofern hat Leipzig leider nicht aus Frankfurt gelernt. Aber vielleicht kann Leipzig von Leipzig lernen. Vielleicht halten wir uns das nächste Mal an die Worte von Messechef Zille und fokussieren uns einfach auf die anderen 2.596 Verlage. Damit würde man die »Meinungsfreiheit nutzen«, anstatt sie an die Falschen zu verschenken.

Beitragsbild: Demo von #Verlagegegenrechts am 14. März 2018. © Moritz Lüneburg


 

 

Die Rezensentin: Angela Fischer

 


 

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