All die schönen Freaks

Der US-Amerikaner Garth Risk Hallberg liest in der naTo aus seinem neuen Roman.

Der Andrang an diesem Samstagabend ist groß: Die Sitze der naTo sind besetzt, die Menschen nehmen auch auf Treppenstufen und dem Boden Platz, froh darüber, überhaupt dabei sein zu dürfen. Im schummrigen Licht der Bühnenbeleuchtung sitzt Garth Risk Hallberg, ein junger, aufstrebender Autor aus den USA. Sein zweiter Roman »City on Fire« wird heute vorgestellt. Hallberg liest den ersten Auszug aus seinem Buch auf Englisch, nicht aber ohne sich auf höflich-amerikanische Art vorher dafür zu entschuldigen, dass er kein Deutsch spreche.

Der Roman spielt im New York der 70er Jahre, genauer gesagt steuert die Handlung auf den großen Stromausfall im Jahr 1977 zu. Die Zuhörer lernen Charlie kennen, einen der vielen verschiedenen Charaktere des Buchs. Charlie ist 17 Jahre alt und neu in New York. Seine Freundin Sam hat ihn in einen Nachtclub irgendwo auf der East Side von Manhatten eingeladen. Sie selbst ist jedoch nicht erschienen und so schaut er sich alleine das Konzert einer Band an, die er eigentlich gar nicht mag.

Das Publikum schweigt andächtig, während Hallberg seine detailreiche Beschreibung des damaligen Epizentrums der Punkszene vorträgt. Man kann sich all die jungen Menschen mit ihren bunten Haaren und zerrissenen Klamotten nur zu gut vorstellen. Als Charlie im Buch die ersten Töne eines Patti-Smith-Songs vernimmt, schreckt Hallberg nicht vor einer Gesangseinlage zurück. »Jesus died for somebodies sins but not mine«, singt er und trifft dabei jeden Ton.

Rothe_CityOnFireCover_2016-03-20Nachdem die Zuhörer einen ersten Eindruck vom Roman bekommen haben, geht es im anschließenden Gespräch mit dem Moderator ans Eingemachte. Die Idee zu dem Buch sei ihm schon 2003 gekommen, meint Hallberg, er habe sich nur sehr lange nicht an den Stoff herangetraut: An den kreativen Urknall, der damals in New York stattfand und der noch heute die Popkultur präge. Das Buch sei einfach auf ihn zugerollt und er habe sehr lange versucht, ihm aus dem Weg zu gehen. In der Tat hat »City on Fire« mit seinen 1080 Seiten fast schon beängstigende Ausmaße angenommen.

Ein zweiter und dritter Auszug werden vorgelesen. Dabei muss es jedoch bleiben, denn schon ist die Zeit um. Es ist schier unmöglich, dem an Geschichten und Geschichte so reichen Roman in weniger als einer Stunde gerecht zu werden. Dafür ist man sich nun erst recht sicher, dass die 1080 Seiten es tatsächlich alle wert sind, gelesen zu werden.


Die Veranstaltung: Garth Risk Hallberg liest aus City on Fire, naTo, 19.3.2016, 20 Uhr

Das Buch: Garth Risk Hallberg: City on Fire. S. Fischer, Frankfurt am Main 2016, 1080 Seiten, 25,00 Euro


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Die Rezensentin: Judith Rothe

 


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