25 Jahre Leipzig liest. Der Festabend in der Kongresshalle am Zoo

Ein Anlass, um Europas größtes Lesefestival zu feiern, und der Versuch, eine Brücke zwischen klassischer Literatur und moderner Dichtkunst zu schlagen.

Was mit 160 Veranstaltungen und 80 Mitwirkenden begann, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem der größten und bekanntesten Lesefestivals der Welt entwickelt. Während der Leipziger Buchmesse 2016 haben Besucher die Qual der Wahl, sich zwischen 3.200 Veranstaltungen an 410 zum Teil außergewöhnlichen Orten zu entscheiden. Ein solch besonderer Ort ist die 2015 neueröffnete Kongresshalle am Zoo, in der das diesjährige Jubiläum gebührend gefeiert werden soll.

In direkter Nachbarschaft zur einzigartigen Leipziger Tiervielfalt eröffnet der Direktor der Leipziger Buchmesse Oliver Zille den Abend mit einer Dankesrede an das jährlich wachsende, lesende und lauschende Publikum. »Sie sind für die Buchmesse und das Lesefest der Joker, der Buchmessejoker«, so Zille. Sein besonderer Dank richtet sich außerdem an alle unterstützenden Verlage, ohne die Leipzig liest nicht existieren würde. Christoph Hein betont das ein wenig später seinerseits: »In Frankfurt kann man als Verleger mit leeren Taschen hingehen und kommt mit vollen Taschen zurück. In Leipzig ist es genau umgedreht«.

Durch den ersten Teil des Abends führt der Radiomoderator und Literaturkritiker Michael Hametner. Ehrengast des heutigen Abends ist der frischgebackene Preisträger des Preises der Leipziger Buchmesse Guntram Vesper. Er überzeugte die Jury in diesem Jahr mit seinem historischen Roman »Frohburg«. Offensichtlich hat Vesper die Eindrücke der vergangenen Stunden noch nicht ganz verdaut. Zwar glücklich über die Ehrung, wirkt der fast 75-Jährige doch etwas müde und erschöpft. Eine erholsame Nacht sein ihm gegönnt, die folgenden Tage und Wochen werden sicherlich weiteren Rummel bringen.

Gegen 21.30 Uhr endet der »offizielle Teil« des Abends. In einer 30-minütigen Pause decken sich die Besucher mit den vorgestellten Büchern und neuen kalten Getränken für den zweiten Programmteil des Abends ein. Liegt es an der späten Uhrzeit, dem fortgeschrittenen Alter eines Großteils des Publikums oder dem Desinteresse am nun folgenden Poetry-Slam? Die vorher bis auf den letzten Platz gefüllte Kongresshalle ist nach der Pause nur noch knapp zur Hälfte mit überwiegend jungen Publikum besetzt.

Die noch Anwesenden erleben in den nächsten 90 Minuten ein wahres Feuerwerk der modernen Dichtkunst. Von Pseudo-Gangster-Rap und fehlenden Groupies bei weiblichen Slammern über die exzessive Liebe zum eigenen Schlafgemach oder geplanten Versicherungsbetrug sachsen-anhaltinischer Eltern bis hin zur aktuellen politischen Lage in Deutschland – den Zuhörern fliegt so einiges um die Ohren. Leider bleibt ein passender thematischer Einschlag zum Anlass des Abends auf der Strecke, was die Leistung der drei angetretenen Teams allerdings in keiner Weise schmälert.

Umjubelte Gewinner einer gut geschüttelten Flasche Sekt ist am Ende das »Team Totale Zerstörung«, bestehend aus Julius Fischer und dem »Hypezig«-Erfinder und Wahl-Brüsseler André Hermann. Den Korken ins Publikum fliegen lassend verabschieden sich alle Beteiligten, der ein oder andere wird im Nebenraum sicher noch ein Glas Sekt gehoben und das Tanzbein zu den Klängen von DJ Lucille du Basse geschwungen haben.


Die Veranstaltung: 25 Jahre Leipzig liest. DER Festabend, Kongresshalle am Zoo, 17.3.2016, 19.30 Uhr

Mitwirkende: Sarah Bosetti, Julius Fischer, Christoph Hein, André Hermann, Katja Hofmann, Daniel Hoth, Clemens Meyer, Leonie Warnke, Oliver Zille, Lucille du Basse, Moderation: Michael Hametner, Christian Meyer

Die Bücher:

  • André Hermann: Klassenkampf. Voland & Quist, Leipzig/Dresden 2015, 384 Seiten, 19,90 Euro
  • Christoph Hein: Glückskind mit Vater. Suhrkamp, Berlin 2016, 527 Seiten, 22,95 Euro
  • Guntram Vesper: Frohburg. Schöffling, Frankfurt am Main 2016, 1008 Seiten, 34,00 Euro
  • Bühne 36: Über Arbeiten und Fertigsein. Real existierender Humor. Voland & Quist, Leipzig/Dresden 2015, 144 Seiten, 9,99 Euro

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Der Rezensent: Tommy Dütsch

 


 

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