15 Kilo weniger in nur sieben Wochen

Christian Seebauer berichtet über seine Erfahrungen auf dem Israel Trail.

»Die Israelis sind brutal gastfreundlich«, sagt Christian Seebauer. Er muss es wissen, schließlich war er sieben Wochen lang auf ihre Hilfe angewiesen. Der Künstler und Autor wanderte 2014 den Israel Trail – 1000 Kilometer zu Fuß und ohne Geld. Wasser, Nahrung oder einen Schlafplatz musste er sich erfragen, erbetteln oder gegen seine Arbeitskraft eintauschen. Zum Beispiel im teuersten Hotel Israels, in dem er den Abwasch erledigte, um für eine Nacht ein Zimmer zu bekommen. Erlebnisse und Erfahrungen wie diese hat er in seinem Buch »Israel Trail mit Herz« zusammengefasst. Es geht darin um »die Suche nach echten Gefühlen« und auch immer wieder um Gott.

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Rezensentin Elisabeth Leisker mit dem Autor Christian Seebauer. © Elisabeth Leisker

Passend zu dieser Thematik findet die Vorstellung des Buches in den Räumlichkeiten der Freien evangelischen Gemeinde statt. Seebauer liest nicht vor, sondern erzählt frei von seiner Reise. Im Hintergrund läuft eine Diashow ab, bei manchen Fotos klickt er schnell weiter, bei anderen kommt er ins Plaudern. Er berichtet vom grünen Norden Israels, von Alpenveilchen am Wegesrand, von nächtlichen Basketballspielen in einer israelischen Turnhalle oder von einer Tasse Kaffee in der Wüste. Während Seebauer spricht, läuft er über die Bühne: Er spielt Szenen nach und gestikuliert. Manchmal wird seine Mimik auch ganz nachdenklich und emotional. Zum Beispiel wenn er von der Frau erzählt, die ihm in einem Supermarkt zwei Äpfel kaufte oder von dem Pärchen, das ihm eine Tafel Schokolade schenkte. Neben all diesen positiven Erinnerungen hatte Seebauer während seiner Reise auch Zweifel. Besonders schwer war es für ihn, die Gaben und Geschenke von fremden, zum Teil armen Menschen anzunehmen. Oft fühlte er sich überfordert, an manchen Tagen habe er einfach aufgeben wollen, sagt er.

Berichte über das Reisen und die Suche nach sich selbst sind nicht neu. Es gibt viele Autoren, die über ihre Erfahrungen auf langen, einsamen Wanderungen schrieben. Seebauer selbst hat bereits ein Buch über seine Reise auf dem Jakobsweg veröffentlicht. Schon einmal hatte er sich auf Wanderschaft begeben, hatte nach einem Burnout einen Sinn in seinem Leben gesucht – und ihn in Spanien nicht gefunden. Nahe einer Depression beschloss er es noch einmal zu versuchen. In Israel sollte alles anders für ihn werden – anscheinend mit Erfolg.

Der Autor wirkt sehr energisch, er erzählt locker und humorvoll. Er schafft es, sich selbst nicht so ernst zu nehmen, ohne dabei lächerlich zu wirken. Das Publikum lauscht begeistert, einige Gäste waren bereits selbst in Israel und fühlen sich durch Seebauer an diese Reisen erinnert. Seebauer nimmt seine Zuschauer mit, er spricht zu den Leuten, er unterhält sie. Dafür, dass der Autor von sich selbst behauptet, kein großer Redner zu sein und Angst vor der Bühne zu haben, gelingt ihm diese Vorstellung ziemlich gut.


Die Veranstaltung: Christian Seebauer liest aus Der Israel Trail mit Herz, Freie evangelische Gemeinde, 18.3.2016, 19 Uhr

Das Buch: Christian Seebauer: Der Israel Trail mit Herz. Das Heilige Land zu Fuß, allein und ohne Geld. SCM-Verlag, Holzgerlingen 2016, 320 Seiten, 19,95 Euro


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Die Rezensentin: Elisabeth Leisker

 


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