Zwischen zwei Wahrheiten

Bettina Wilpert stellt auf der Leipziger Buchmesse ihren Debütroman vor, der aktueller nicht sein könnte.

Fast unbemerkt inmitten des Messetrubels betritt Bettina Wilpert die Bühne der gut gefüllten Leseinsel Junge Verlage auf der Leipziger Buchmesse. Höchstwahrscheinlich findet die Lesung wegen ihrer Aktualität des Buchthemas so viel Anklang. Daher stellt die Autorin gleich zu Beginn klar, dass ihr im Februar erschienener Debütroman rein zufällig genau in die Zeit der #metoo-Debatte fällt. In ihrem Buch »nichts, was uns passiert« geht es um sexuelle Gewalt, genauer gesagt um eine Vergewaltigung, weshalb die Autorin den Zuhörern auch noch einmal die Chance bietet zu gehen, da es sich durchaus um ein sehr persönliches Thema handelt.

Bettina Wilpert. © linonono

Um sich im Treiben der Buchmesse von den Hintergrundgeräuschen abheben zu können, wird das Mikrofon der Autorin ein wenig zu laut eingestellt, was das Zuhören auf Dauer anstrengt. Dennoch entflieht man fast augenblicklich dem Wirrwarr der Menge, als Bettina Wilpert beginnt, vom Kennenlernen von Anna und Jonas zu erzählen. Sofort hängen die Zuschauer an ihren Lippen und tauchen in die Geschehnisse des Romans ein, was nicht zuletzt auch an der markanten, resoluten Stimme der Autorin liegt. Bettina Wilpert liest sachlich vor, wie Anna und Jonas sich auf einer Party während der Fußballweltmeisterschaft 2014 vorgestellt werden und sich auf Anhieb verstehen.

Nach dieser Passage erklärt die Autorin kurz die Besonderheiten des Buches. Es gebe einen Ich-Erzähler in ihrem Roman, wobei bis zum Ende nicht bekannt sei, wer erzählt. Dieser Ich-Erzähler führe während des gesamten Werks Interviews mit Anna, Jonas und Freunden der beiden, allerdings würden diese Gespräche nie in Form von wörtlicher Rede wiedergegeben. Zudem gebe es einen ständigen Wechsel der Perspektiven, sodass man die Geschichte immer sowohl aus Annas Sicht, als auch aus Jonas Sicht erfahre.

In der nächsten Szene begleiten wir Anna bei ihrem ersten Zusammentreffen mit Jonas nach der Vergewaltigung. Anna traut sich das erste Mal nach der traumatisierenden Nacht wieder in die Öffentlichkeit, möchte eigentlich mit niemandem in Kontakt treten und trifft ausgerechnet in einem Supermarkt auf Jonas. Von der Begegnung so verschreckt, beschließt sie kurzerhand, doch Anzeige gegen Jonas zu erstatten, was die Welt der beiden auf den Kopf stellen wird.

An vielen Stellen erkennt man im Roman bekannte Orte Leipzigs wieder, was das Zuhören umso spannender macht, da man die gegangenen Wege genau nachvollziehen kann. Das Ende der Lesung kommt sehr abrupt. Der straffe Zeitplan der Buchmesse führt dazu, dass Bettina Wilpert mitten im Lesen unterbrochen wird und ihre Veranstaltung schnell beenden muss. Auch wenn man der Autorin stellenweise ihre Unsicherheit und Aufgeregtheit beim Reden über ihren ersten Roman anmerkte, konnte man als Teil des Publikums dem Messetrubel leicht entkommen und in die Lesung eintauchen.

Beitragsbild: Der Roman »nichts, was uns passiert« von Bettina Wilpert. © Laura Schäfer


Die Veranstaltung: nichts, was uns passiert, Leseinsel Junge Verlage, 16.3.2018, 12 Uhr

Das Buch: Bettina Wilpert: nichts, was uns passiert. Verbrecher Verlag, Berlin 2018, 168 Seiten, 19,00 Euro, E-Book 12,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Laura Schäfer

 


 

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