Zwischen industriellem Backsteinflair und weißer Sterilität

Fährt man mit Leipzigs längster Straßenbahnlinie 11 über die mit Restaurants und Bars gesäumte Karl-Liebknecht Straße Richtung Süden, steigt an der Haltestelle HTWK aus und läuft noch ein paar Schritte ist man da. Ein etwas unscheinbarer weißer Neubau, bereits mit rotem Graffiti an das Urbane des Leipziger Südens angepasst: die »galerie KUB«.

Die ehemalige Kunst-, und Bauschlosserei ist heute ein kulturelles Zentrum mit dem Anspruch, transdisziplinär ein vielfältiges Programm aus »Hochkultur und freier Szene« zu schaffen, so Kuratorin Franziska Eißner.

Die Galerie KUB © Mirjam Zeise

Vor ungefähr 15 Jahren entdeckte eine Gruppe befreundeter Studierender das Potenzial jener Räumlichkeiten. Nach der Gründung eines Vereins wurde damit eine Bühne für unterschiedliche Künstler*innen geboten, stets mit dem Anspruch gesellschaftspolitisch zu sein. Seitdem sind die Räumlichkeiten nicht nur während der Leipziger Buchmesse vielseitig genutzt. So finden beispielsweise zeitgenössische Ausstellungen und Konzerte ebenso wie Lesungen und Diskussionen statt.

Das Programm der KUB spiegelt jene Vielseitigkeit und den diesjährigen Buchmesse-Schwerpunkt Tschechien auch in den Veranstaltungen von »Leipzig liest« wieder. So wird es neben ausgestellten tschechischen Comics auch ein Forumsgespräch mit zukunftsorientiertem Ausblick der taz über aktuelle Diskurse geben.

Alte Galerie © Tim Weßling

In der Anfangszeit bestand die Kunst- und Kultur Lokalität nur aus der »Hinteren/Alten Galerie« im Hinterhof, einem mittelgroßen Raum, dem man die ehemalige Nutzung als Werkstatt noch an den weiß getünchten Backsteinwänden ansehen kann. An der Straßenseite befand sich damals noch ein altes, komplett vom Einsturz bedrohtes Haus, das vor 5 Jahren durch einen Neubau ersetzt wurde. Dieser Teil der »galerie KUB« ist durch die hohen Fenster Richtung Kantstraße lichtdurchflutet und wirkt somit im Kontrast zum hinteren Teil, mehr wie ein steriler Tagungsraum.

Ausstellung im Neubau © galerie KUB

Zusätzlich gibt es zwischen diesen zwei Veranstaltungsräumen ein Café. Dies wird auch während der Lesungen, von vornehmlich Lyrik und Prosa sowie den anderen Programmpunkten Ende März geöffnet sein. Gleiches gilt für die Bar, eine gemütliche Mischung aus Backsteinflair und Moderne. Besonders schön daran ist die Lage zwischen den beiden Räumen: als zentraler Sammelpunkt kann hier hinter- oder vorher ein Ort für zwanglosen Austausch, kritische Reflektion und neue kreative Denkanstöße geschaffen werden.

»galerie KUB« bietet Kunstinteressierten abseits des Mainstreams einen Anlaufpunkt, welcher sich nicht mit viel Firlefanz aufhält. Wer sich für tschechische Literatur oder ein Gespräch über progressive Themen interessiert, ist hier in der vorletzten Märzwoche sicher gut aufgehoben. Man sollte jedoch an eine Jacke denken, wenn man im Café sitzen möchte. Der Winter kommt manchmal auch im März zu Besuch.

 

Beitragsbild: galerie KUB © galerie KUB


Adresse: galerie KUB, Kantstr. 18, 04275 Leipzig, www.galeriekub.de


Die Rezensenten:

 

 

Tim Weßling

 

 

 

 

Mirjam Zeise

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