Österreichischer Zynismus zwischen Glanz und Glitzer

Debütroman der Autorin Tanja Paar zwischen teurem Geschmeide.

Tanja Paar © Pamela Russmann

Die ehemalige Journalistin, Tanja Paar, präsentiert ihr Erstlingswerk in dem Schmuckatelier Ehinger-Schwarz, einem kleinen Laden in der Marktgalerie, in dem zwei bescheidene Stuhlreihen, etwa zehn Hörern Platz bieten. Bereits beim Betreten des Ladens treten einem zwei enthusiastische Mitarbeiterinnen entgegen, die einem blitzschnell die eigene Jacke gegen ein Getränk austauschen. In Anbetracht der überschaubaren Größe des Geschäfts überrumpelt dieser Überschwang etwas. Ausgestattet mit einem Getränk wartet man auf die Buchvorstellung und es dauert auch nicht lange, da nimmt die Autorin ebenfalls ihren Platz ein und wartet scheinbar genauso erwartungsvoll wie das Publikum auf den Beginn der Lesung.

Als auch den letzten Gästen die Jacken abgenommen wurde und alle mit einem Getränk versehen sind, folgt schon eine kurze Einleitung der Besitzerin, in der eher der Laden vorgestellt wird als die Autorin. Diese tut dies jedoch einfach selbst und beginnt, nach einer knappen Einführung in ihr Buch, zu lesen. Die kurzen Texteinblicke, die Tanja Paar ihrem Publikum gewährt, zeigen, mit welchen emotionalen Zerwürfnissen es der Leser zu tun bekommt, ohne dabei zu viel vom eigentlichen Inhalt zu verraten. Die einzelnen Textpassagen zeigen sprunghaft Lebensausschnitte der handelnden Charaktere, vom Gedankenspiel einer Mutter ihr Kind zu ertränken, über die Kennenlernszene einer lockeren Beziehung, bis hin zur Taufe eines Kindes. Da lassen sich die Zusammenhänge der Figuren und der rote Faden nur schwer erahnen.

© Haymon Verlag

Zwischen den einzelnen Abschnitten lässt Tanja Paar kleine Anekdoten ihrer bisherigen, auf der Messe gewonnenen, Lesungserfahrungen einfließen. Dabei freut sie sich, wie ruhig doch das Publikum an diesem Abend sei, ganz im Gegensatz zum lauten Messewirrwarr. Ihre reduzierte Vortragsweise und der interessante österreichische Akzent bringen den zynischen Humor ihres Textes hervorragend zum Ausdruck. Vom Publikum jedoch werden nur die wirklich auffälligen Gags gewürdigt, den kleinen Spitzen wird höchstens vereinzeltes Gekicher zuteil, dennoch sind der Beifall und der Ansturm auf den Büchertisch groß.

Die Kürze des Textes und die Geheimhaltung der Autorin sorgen dafür, dass die eigentliche Lesung bereits nach weniger als einer halben Stunde vorbei ist. Nun begibt sich Tanja Paar in eine zwanglose Frage-und-Antwort-Runde, in der sie erst die Hintergründe ihres Buches erläutert und dann Einblicke in ihren Schreibprozess gewährt. Doch auch dieser, fast schon intime, Austausch zwischen Publikum und Autorin ist schnell vorbei, man verlässt etwas verdutzt schon nach nur einer knappen Stunde die Lesung. Ohne wirklich zu wissen, worum es in dem Buch eigentlich geht, aber durchaus mit Neugier gefüttert, dies zu erfahren.

Beitragsbild: Tanja Paar im Gespräch mit den Zuhörern © Charlotte Kuschka


Die Veranstaltung: Tanja Paar liest aus »Die Unversehrten«, 16.3.2018, 19 Uhr

Das Buch: Tanja Paar: Die Unversehrten. Haymon Verlag 2018, 160 Seiten, 17,90 Euro


 

 

Die Rezensentin: Charlotte Kuschka

 


 

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