Zwischen Fantasie und Frechheit

Max Goldt liest aus seinem Sammelband »Lippen abwischen und lächeln«.

© Rowohlt Verlag

In der Schaubühne Lindenfels werden die Lichter gedimmt und Max Goldt betritt unter euphorischem Applaus und mit zehn Minuten Verspätung die Bühne. Ohne allzu viel Zeit und Worte der Begrüßung zu verlieren, setzt er an und beginnt mit seinem – wie er es nennt – »best of beschränkt auf die Jahre 2003 bis 2014.«

Auch bis dato unveröffentlichte Notizen und ältere Werke schmücken den Abend. Was die Texte miteinander verbindet, ist Goldts unverkennbare Titanic-Vergangenheit. Nach neun Jahren und 108 Kolumnen bei besagtem Satire-Magazin ist es kein Wunder, mit wie viel Biss und Humor Max Goldt die Welt kommentiert.

Absurditäten des Alltags deckt er auf, echauffiert sich über Induktionsherde und scheut selbst vor einer Medienschelte nicht. Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk spricht er den Vorwurf der »Lügenpresse« ab, denn es fehle ihm schlichtweg an Fantasie und Frechheit. Vom SPIEGEL ganz zu schweigen.

Max Goldt. © Axel Martens

Genüsslich zieht Goldt seine Kritik an einem Beispiel auf: »Petra Gerster versus David Bowie.« In dieser Notiz geht es um eine durchaus unglücklich formulierte Meldung zum Tode von Musiklegende David Bowie. So sprach ZDF-Moderatorin Petra Gerster fälschlicherweise – und in dieser Reihenfolge – vom »Maler, Schauspieler und Musiker« Bowie, wobei dieser doch, so Goldt, malerisch allenfalls das Talent eines Volkshochschülers erreicht habe. Ein wenig mehr Mühe könne man für seine Rundfunkgebühren schon einfordern, da ist sich Max Goldt sicher. Dass er damit zwar die Argumente jener AfD-Wähler und Volksverhetzer bedient, scheint seine Zuhörer dabei nicht zu stören. Eine ausgelassene Stimmung zieht sich durch die prall gefüllten Reihen des Publikums.

Was am Ende bleibt, ist die Erkenntnis, dass Max Goldt irgendwo zwischen bourgeoisem Auftreten und lockerem Humor eine Verbindung zwischen abgehängt und abhängend findet. Zeitlos lässt sich sein Tun wohl nicht nennen, aber auf jeden Fall zeitbewusst!

Beitragsbild: © Rowohlt Verlag


Die Veranstaltung: Max Goldt liest aus Lippen abwischen und lächeln, Schaubühne Lindenfels, 27.1.2018, 20.30 Uhr

Das Buch: Max Goldt: Lippen abwischen und lächeln. Rowohlt, Berlin 2016, 511 Seiten, 24,95 Euro


 

 

Die Rezensentin: Angela Fischer

 


 

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