Zuhören und Vorurteile überwinden

Das Sächsische Psychiatriemuseum

Mit dem »Sächsischen Psychiatriemuseum« hat der »Durchblick e.V.« einen Ort geschaffen, an dem nicht nur gesehen, sondern auch gehört wird. Denn hierbei handelt es sich nicht nur um ein Museum: Es ist vielmehr auch Treffpunkt für Psychiatrieerfahrene sowie Interessierte, die sich hier austauschen und zuhören können. 1990 wurde diese Initiative mit dem Vorhaben gegründet, »Hilfe zur Selbsthilfe«, ein offenes Gespräch, vorurteilsfreien Kontakt zu ermöglichen. Hierfür finden an Werktagen vielfältige Angebote und Projekte statt, die Kreativität, Beratung, Unterstützung und Begegnungen fördern.

Sächsisches Psychiatriemuseum © Julia Sänger

Seit fast 20 Jahren existiert das »Sächsische Psychiatriemuseum« nun schon und setzt in seiner Dauerausstellung »IRR-SINN. Einblicke in die Sächsische Psychiatriegeschichte« den Fokus auf die Sicht der Patienten. Berühmte Erkrankte, einflussreiche Psychiater, verschiedene Behandlungsmethoden und die Geschichte der Psychiatrie, speziell in der DDR, werden hier vorgestellt: Unter anderem wird der Blick auf die Schicksale von Lene Voigt, Daniel Paul Schreber und Louise von Sachsen gerichtet. Die Dokumente, Bücher und andere Ausstellungsobjekte sind auf drei Räume in der ersten Etage verteilt. Auch interaktive Elemente veranschaulichen die damaligen Zustände der Psychiatrien in Deutschland: So kann man beispielsweise vier Gedichten Lene Voigts lauschen.

Zwangsjacke © Julia Sänger

Während der »Leipziger Buchmesse« finden in den Räumlichkeiten des Museums viele abwechslungsreiche Veranstaltungen im Rahmen von »Leipzig liest« statt. Ein großzügiger Galerieraum bietet Platz für bis zu 120 Gäste: Hier wurden bereits einige Autor*innen empfangen, die sich den Schwerpunkt Psychiatrie und Psyche gesetzt haben, unter anderem Lydia Benecke und der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz. Was passiert hier aber konkret während der Buchmesse 2019? Am Donnerstag werden sowohl eine psychiatriegeschichtliche Stadtführung als auch eine Lesung von Christiane Tramnitz angeboten. Sie wird ihren neuen Roman »Die Schwestern von Marzahn. Vom Leben ganz unten« vorstellen. Am Freitag folgt eine weitere Lesung: Der Psychiater Achim Haug liest aus seinem bald erscheinenden Werk »Reisen in die Welt des Wahns«. Und am Samstag präsentiert die Kunstgruppe des »Durchblick e.V.« das Projekt »Künstlerbücher aus zwei Jahrzehnten«.

Beitragsbild: Eine frühere Behandlungsmethode war das Netzbett © Julia Sänger


Adresse: Sächsisches Psychiatriemuseum, Mainzer Straße 7, 04109 Leipzig


Die Rezensentinnen:

 

 

Victoria Gruber, Julia Sänger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.