Zu Gast: Zwischen den Zeilen – Vom Wort zur vollendeten Kritik

Wir wollen unsere Serie der Gastbeiträge fortführen! Daher freuen wir uns sehr, dass wir Maurice Feiel mit seinem Blog »Zwischen den Zeilen« als unseren ersten »Gast« seit Beginn des neuen Semesters gewinnen konnten. Er schreibt darüber, welchen Schwierigkeiten man als Buchblogger beziehungsweise -rezensent gegenübersteht und gibt dabei seine Anleitung für das Rezensieren von Büchern mit. Weitere Informationen über Maurice und seine Welt des Bloggens erhaltet ihr morgen im Interview mit ihm.

Maurice ist mit seinem Blog auch auf Facebook sehr aktiv. © Maurice Feiel / Zwischen-den-Zeilen

Es ist nicht schwierig das Wesen einer Geschichte zu begreifen, es für die Masse objektiv und verständlich aufzubereiten hingegen gleicht einer Tortur. Einer herzerwärmenden wie gleichermaßen herzzerreißenden Tortur. Ich nenne sie liebevoll »die Alltagshysterie eines Literaturkritikers«. Doch die Herausforderungen, die einem Blogger/Rezensenten/Kritiker oft gegenüberstehen sind nicht immer gern gesehen. Vor allem dann nicht, wenn sie eine objektive und gleichermaßen entscheidungsfindende Lösung für den Konsumenten fordern. Für den Rezensenten stellt dies ein ernstzunehmendes Problem dar, welches nur mit viel Liebe zum Detail und einer scharfen Beobachtungsgabe aus dem Weg zu räumen ist.

Doch was unterscheidet eine Meinungsbildung von einer sachlichen Kritik?
Diesbezüglich gibt es leider unzählige Theorien und Auslegungen, die man nicht in »richtig« oder »falsch« deklarieren kann/darf. Es lässt sich lediglich der Versuch unternehmen, die eigene Kritik so auszulegen, dass sie beim Leser Anklang findet und der wesentlichen und schlussendlichen Kaufentscheidung des Konsumenten dienlich ist.

Dies war einer der Gründe, warum ich die Literaturplattform »Zwischen den Zeilen« ins Leben gerufen habe. Neben der Aufstellung und Weitergabe brandaktueller Novitätenvorschauen an die Community sollen verwertbare Buchbesprechungen ihren sinnvollen Weg zum Leser finden. Nicht immer ganz einfach, aber gerade deshalb umso interessanter.

Aber nun zur Gretchenfrage: Was sollte man bei einer ernstzunehmenden Literaturkritik unbedingt beachten?

Ich würde diese Frage anhand sechs essentieller Punkte definieren:

1. Protagonisten bilden stets das Zentrum! Mit ihnen steht und fällt das Konzept der Geschichte. Sie können so viel Gutes tun, den Lauf der Dinge aber leider auch ruinieren. Dies sollte man ernst nehmen und beherzigen.

2. Der Handlungsaufbau ist wesentlich! Fehlt der so oft kritisierte »rote Faden«, wird es als Leser zunehmend schwierig, die Struktur des Geschehens zu erfassen und mental in die Geschichte einzusteigen.

3. Der Schreibstil des Autors ist Nebensache. Er darf/sollte hervorgehoben, aber nicht für die schlussendliche Bewertung herangezogen werden.

4. Nebencharaktere wirken oft Wunder. Sie können sich jederzeit plötzlich in eine Hauptfigur verwandeln, Teile des Konzeptes über Bord werfen und neue Abzweigungen eröffnen. Vergiss sie nicht!

5. Bewerte den Schlussakt so emotionslos wie möglich! Er kann den Verlauf einer Story zwar retten, ihn aber keineswegs zerstören. Vergiss nicht alles, was davor geschehen ist!

6. Bleib niveauvoll und konstruktiv! Auch wenn das Gelesene nicht immer die gewünschte Euphorie in dir auslöst, so bringe deine Kritik möglichst wertfrei, ohne beleidigend zu werden an den Mann/an die Frau. Bedenke die Auswirkungen deiner Worte! Autoren sind auch nur Menschen.

Ob eine Kritik gut ist, ob sie Anklang und Wirkung findet, entscheidet schlussendlich immer der Konsument und nicht der Rezensent. Man kann aber stets alles menschenmögliche dafür tun, um aus jedem Inhalt, die so wichtige Quintessenz zu gewinnen und diese an die Community weiterzugeben. Und all das, mit der größtmöglichen Liebe zur Literatur.

Beitragsbild: © Maurice Feiel / Zwischen-den-Zeilen

2 Gedanken zu „Zu Gast: Zwischen den Zeilen – Vom Wort zur vollendeten Kritik

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