Zu Gast: Trallafittibooks – Mein Leben in der Scheinwelt

Auch nach der Buchmesse möchten wir euch im April wieder einen besonderen Büchermenschen vorstellen. Nicole von »Trallafittibooks« räumt in ihrem Gastbeitrag mit Klischees und Vorurteilen über die bunte, fröhliche »Scheinwelt« der Buchblogger auf. Wie ihr Wohnzimmer nach einem Instagram-Fotoshooting aussieht und warum die Menschen, die sie über’s Bloggen kennengelernt hat, so viel mehr als Zweckgemeinschaften sind – hier erfahrt ihr es.

Heute möchte ich euch einen Beitrag zum Thema Scheinwelt präsentieren. In den letzten Wochen ist mir aufgefallen, dass immer wieder Neid und Missgunst aufkamen, aber auch negative Äußerungen über die sogenannte Scheinwelt, in der man als Blogger lebt.

Du lebst in einer Scheinwelt.
Das ist doch alles mehr Schein als Sein.
Wer weiß, wie es hinter der Kulisse so aussieht.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Wer weiß, wie das bei denen abläuft, wenn keine anderen dabei sind, oder wenn sie nicht vor der Kamera stehen.
Als ob es bei dir immer so aussieht wie auf deinen Fotos.
Das KÖNNEN keine richtigen Freunde sein, schließlich kennt ihr euch noch nicht lange.
Wie kann das denn funktionieren, wenn man so weit voneinander entfernt wohnt?
Abgesehen vom Hobby (Lesen) habt ihr doch eh nichts gemeinsam.
Ihr schmückt euch mit den Momenten, indem ihr tausend Fotos auf den sozialen Medien postet, doch dahinter steckt nichts.
Hauptsache man hat ein hübsches Foto für Instagram, danach ist doch eh egal. Dann wird der Tee vom Foto ausgekippt, weil er kalt ist, und die Bücher zurück ins Regal gestellt.
Eigentlich geht es eh nur um Likes und Klicks.

Kommen euch derartige Aussagen bekannt vor? Mir schon. Nicht, dass ich sie ständig persönlich abbekommen würde, jedoch bekomme ich mit, dass derartige Mutmaßungen, die leider oftmals wenig Substanz haben, getätigt werden. Dass Behauptungen aufgestellt werden, ohne die jeweiligen Hintergründe zu kennen. Auch wird immer wieder von Neid und Missgunst gesprochen, gleichzeitig wird wenig geschaut, was man selbst ändern könnte, oder wie man selbst aktiv etwas Positives zur Community beitragen könnte. Es wird genörgelt, aber wenig unternommen. Ich möchte heute die positiven Seiten meiner Scheinwelt herausstellen und etwas Liebe und Sonnenschein versprühen, denn das fehlt mir aktuell.

Vor einiger Zeit, vermutlich nach der Frankfurter Buchmesse, kamen in den sozialen Medien immer wieder Diskussionen darüber auf, dass Blogger in einer Scheinwelt leben. In einer bunten, fröhlichen Blase, in die niemand anderes eintreten darf. Eine Blase, die mehr Schein als Sein ist und über keinerlei Tiefgründigkeit verfügt, eigentlich ist sie nur Mittel zum Zweck. Seitdem denke ich darüber nach und versuche herauszufinden, wie ich das so sehe. Ich möchte niemanden angreifen und ich will schon gar nicht vorschreiben, wie man das einschätzen sollte. Jeder hat seine eigene Meinung dazu und das kann auch gerne so bleiben. Meinen Senf gebe ich dennoch ab.

Ich lasse mir allerdings nicht sagen, dass meine Welt eine Scheinwelt ist und aus hübschen Buchfotos, kaltem Tee und Menschen, die nur Zweckbekanntschaften sind, besteht. Auch bekomme ich nichts von dem mehrfach benannten »unschönen, negativen Trend« der Buchbloggercommunity mit. Im Gegenteil. Jeden Tag schätze ich mich glücklich, den Schritt zum Bloggen gewagt zu haben. Was ich daran so großartig finde? Die Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe. Es handelt sich um Menschen, die meinen Wahnsinn nachvollziehen können. Die mich nicht irritiert oder sogar schockiert anschauen, wenn ich von meinen eskalativen Buchkäufen berichte. Die ganz genau verstehen, was ich meine, wenn ich sage: »Ich habe Etsy geöffnet und dann ist es einfach passiert«, oder auch »Es gibt Rabatt bei Medimops.« Es handelt sich um Menschen, denen es nichts ausmacht, wenn ich immer und immer wieder vom selben Buch schwärme. Oder mich immer und immer wieder über das gleiche Buch aufrege. Das sind Menschen, mit denen man stundenlang über Buchcharaktere oder einzelne Situationen, die in Erinnerung geblieben sind, fangirlen kann.

Ja, man hat nach einer Zeit seine »Bloggergang«, in der man sich super wohl fühlt. Nein, das bedeutet nicht, dass niemand anderes etwas mit einem unternehmen darf (wie sich das schon anhört), oder man grundsätzlich aus der Gruppe ausgeschlossen wird. Ja, man schwebt in einer bunten Blase, die man unendlich doll liebt. Nein, man glaubt nicht, dass das die einzig wahre Realität ist. Ja, man nimmt unendlich viele Fotos auf, die wunderschöne Momente zeigen. Nein, nach den Fotos zerfällt nicht alles zu Staub, da es echt ist, und abgesehen davon ist es doch klar, dass man schöne Fotos aufnehmen will, weil man sie als Erinnerung bewahren möchte, und keine Fotos von Konfliktsituationen, denn auch die gibt es. Es ist echt, was auf den Fotos gezeigt wird, zumindest kann ich das von mir und meinen Buchfreunden sagen.

Ja, ich nehme mir Zeit für Buchfotos – mittlerweile viel weniger als noch vor einem halben Jahr, übrigens – und stelle Tassen ins Bild, lege Deko dazu und teste verschiedene Perspektiven aus. Nein, das bedeutet nicht, dass ich immer auf der Suche nach DEM perfekten Bild für Instagram bin, ich mache es einfach, weil ich Bock drauf habe, weil ich Bock auf ästhetische Buchfotos habe. Ja, ich verfolge meine Reichweite auf dem WordPress-Blog. Nein, das ist nicht mein einziger Lebensinhalt, ich gebe mir viel Mühe, investiere Arbeit in den Blog und freue mich somit über jede Reaktion.

© Nicole Wakulczyk/Trallafittibooks

Eine Fotoimpression »hinter den Kulissen«. So sieht es in der Regel aus, wenn ich Fotos mache. Falls sich also jemand gefragt hat, ob bei mir immer jeder Schnipsel an der perfekten Stelle liegt und immer alles super ordentlich ist und es immer perfektes Licht gibt – nein. Um so ein Buchfoto aufzunehmen, muss ich also erstmal Dinge passend hinlegen, die Lampe hinstellen, Kerzen anzünden und so weiter. Stopp … Muss? Nein. Ich möchte. Und ich zeige euch das Foto, weil es kein Geheimnis ist, wie der Prozess so vonstattengeht. Und peinlich ist mir so etwas schon gar nicht. Es steckt Arbeit hinter jedem Beitrag und dahingehend bin ich gerne transparent. Genauso wie keines der Instagram-Models aufwacht und top gestylt ist, gibt es nie die Situation, in der ich aufwache, das Wohnzimmer betrete und schon befindet sich ein perfektes Arrangement aus Büchern, Kerzen und Deko auf meinem Tisch.

Ich LIEBE meine sogenannte Scheinwelt. Sie bereichert mein Leben und beschert mir viele glückliche, lustige, nachdenkliche und schöne Momente. Es gibt super viele Menschen, die ich durchs Bloggen kennengelernt habe und ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was ich vorher ohne diese Chaoten gemacht habe. Wie ich zu sagen pflege: Wir sind ein bunter Haufen Wahnsinniger. Und ich liebe es! Ich liebe es unendlich doll. Leider wohnt manch einer etwas weit weg, dennoch haben wir nahezu täglich Kontakt und es fühlt sich an, als würde man sich bereits jahrelang kennen. Es sind die Kleinigkeiten, die mich unendlich glücklich machen. Liebe Kommentare unter meinen Beiträgen, kleine WhatsApp-Nachrichten, die mich zum Schmunzeln bringen, ohne viele Worte zu benötigen. Insidermomente, die mich immer und immer wieder zum Lachen bringen. Lieder, die mich an Situationen erinnern. Gemeinsames Lesen von diversen Büchern. Fotos, die zufällig aufgenommen wurden.

Und es ist völlig egal, ob man Menschen durchs Bloggen, durchs Lesen, durch die Arbeit oder die Schule, oder zufällig auf einer Messe kennenlernt. Die Qualität von Freundschaft kann man schließlich nicht an der Art des Kennenlernens der Menschen messen. Es ist ein Gefühl.

Beitragsbild: © Nicole Wakulczyk/Trallafittibooks.

3 Gedanken zu „Zu Gast: Trallafittibooks – Mein Leben in der Scheinwelt

    1. Wir freuen uns, dass das so schön geklappt hat.
      Vielen Dank für deinen Beitrag!
      Das Leipzig-lauscht-Team wünscht ein tolles Wochenende!

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