Zu Gast: Kleine Worte, große Bedeutung

Einmal mehr möchten wir einen Gastbeitrag präsentieren, diesmal von der Buchbloggerin Sandra von pigletandherbooks.de. Sie hat bereits im Dezember eine Lesung für uns besucht und will nun ihre Eindrücke wiedergeben. Wie sie um den Finger gewickelt wurde und warum es sich lohnt, Lesungen zu besuchen, ohne das Buch vorher zu kennen, erfahren wir hier.

Ich muss gestehen, als ich von der Lesung erfahren habe, hat es ein paar Sekunden gedauert, bis ich Jana Hensel zuordnen konnte. Mit »Zonenkinder« hatte sie ihren ersten großen Erfolg, und ich glaube dieses Buch dürfte vielen bekannt sein. Durch die Lesung führt uns Clemens Meyer, auch er ist ein Leipziger Autor, und ich muss gestehen, man merkt einfach, dass die beiden gern zusammen miteinander reden. Direkt von Beginn an herrscht ein angenehmes und vertrautes Klima im Saal.

Bevor es mehr zum Buch »Keinland« zu erfahren gibt, wird locker flockig über die Vergangenheit und gegenwärtige Projekte geredet. So erfahren wir, dass Jana Hensel eigentlich Lektorin werden wollte, doch sie wusste, dass »Zonenkinder« erzählt werden musste, und so kam eins zum anderen. Sie ist als Journalistin tätig, wenn sie nicht gerade schreibt, und dabei stellt sie fest, dass es einen klaren Unterschied zwischen dem journalistischen und dem literarischen Schreiben gibt. Interessant ist hierbei, dass ihr das journalistische Wesen leichter fällt. Kurz wird noch geklärt, dass die Autorin auch ein Serienjunkie ist, dann geht es endlich ums Buch.

Jana Hensel hat zwei Jahre an »Keinland« gearbeitet, sowohl der Titel als auch Untertitel – »Ein Liebesroman« – waren Janas Wunsch, was der Verlag eher zähneknirschend hingenommen hat. Der Titel »Keinland« ist eine Vision oder auch Traum von einem Land, das frei von allem ist, wie zum Beispiel der Geschichte oder der Konvention. Das wird vor allem dann deutlich, wenn man die beiden Protagonisten betrachtet, die stark durch historische Ereignisse geprägt wurden. Nadja durch den Mauerfall, Martin durch den Holocaust. Beide lässt die Vergangenheit nicht los, und sie versuchen auf unterschiedliche, und doch irgendwie gleiche Weise damit fertig zu werden. Die Essenz aus dem Buch ist es, dass zwei Heimatlose nur schwer einander Heimat geben können, aber genau darum geht es in »Keinland«, dem Versuch sich zu finden.

Besonders schön finde ich persönlich das Vorlesen durch Jana Hensel aus ihrem Buch. Man merkt, dass ihr viel an jedem Wort liegt, dass nach monatelangen lektorieren jeder Satz genau das aussagt, was sie sagen möchte. Und bei Zitaten wie: »In diesem Satz bin ich eingezogen, wie andere in ein Haus« schwingt auch so viel Bedeutung mit, dass es schwer fällt, nicht tiefgründig das Buch zu lesen. Mit ihrer ruhigen und betonten Stimme könnte sie auch direkt selbst das Hörbuch einlesen, und ich bin mir sicher: Jeder Hörer wäre begeistert.

Natürlich habe ich am Ende das Buch gekauft. Auch wenn ich anfangs noch skeptisch war, wie »Keinland« ein Liebesroman sein könnte, hat es Jana Hensel mit ihrer Leidenschaft beim darüber Erzählen und ihrer Intensität beim Vorlesen geschafft, auch mich gefangen zu nehmen. Ich will sie nun auch hören, die Geschichte von Nadja und Martin, den beiden Heimatlosen, die die Liebe und Zuneigung suchen.

Beitragsbild: Jana Hensel nach der Lesung im Gespräch mit ihren Gästen, natürlich zählt auch das ein oder andere Autogramm dazu. © Sandra Richter


Die Veranstaltung: Jana Hensel liest aus Keinland, Moderation: Clemens Meyer, Haus des Buches Leipzig, 14.12.2017, 19.30 Uhr

Das Buch: Jana Hensel: Keinland. Wallstein Verlag, Göttingen 2017, 196 Seiten, 20 Euro, E-Book 15,99 Euro


Die Rezensentin: Sandra Richter


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