Zeit ist Geld

Das Autorenduo R. T. Acron liest auf der Leipziger Buchmesse aus seinem neuen Jugendroman »Ocean City«.

© dtv Junior

Für die Bewohner der Megastadt Ocean City des 22. Jahrhunderts wäre die Buchmesse ein grauenvolles Spektakel. Manche Besucher schlurfen, schlendern, schlagen mitten im Gang ein Lager auf, andere wiederum hetzen, rennen, drängen und versuchen durch die zähe Menschenmasse zu ihrer nächsten Lesung zu gelangen. In Ocean City werden Hektik und Trödelei gleichermaßen kritisch beäugt, denn Zeit ist hier Geld, Währung und Lebensmittel zugleich. Zeitverschwendendes Flanieren können sich die meisten der hiesigen Bürger nicht leisten.

»Hektik und Rennerei waren nur etwas für Leute, die es bitter nötig hatten«, liest Christian Tielmann. Zusammen mit Frank Reifenberg stellen die zwei renommierten Kinder- und Jugendbuchautoren ihren Auftaktroman der Action-Trilogie in der Lesebude 2 auf der Buchmesse vor. Die Plätze sind allesamt besetzt mit ohrenspitzenden Jugendlichen und für die Sitzgelegenheit dankbaren Erwachsenen. Über den Messelärm triumphierend, beginnen die zwei abwechselnd mit klarer Stimme Ausschnitte ihres Buchs zu lesen.

Jackson und Crockie sind zwei Schüler der Clark Kellington Highschool in Ocean City und werden auf ihrem Schulweg von Timecontrollern, die die Zeitkonten auf den codierbaren Armbändern der City-Bewohner auslesen und überprüfen, angehalten. Zu spät zum Unterricht zu kommen, das Vergessen des Decoders oder sich einer Kontrolle zu entziehen resultiert in Zeitstrafen. Doch die zwei sind keine gewöhnlichen Schüler und als Crockie vor den Timecontrollern fliehen will, ahnt Jackson das Schlimmste – sein Freund hat im Alleingang ihre Erfindung benutzt, die es ermöglicht, Zeitkonten zu hacken und sich auf das eigene Konto die heiß begehrte Währung zu überschreiben.

Das Autorenduo Frank Reifenberg (links) und Christian Tielmann (rechts). © Ulrike Klemm

Nach einer Verfolgungsjagd stürzt der von den Sicherheitsleuten angeschossene Crockie in den Kanal und Jackson glaubt ihn tot. Jackson allerdings gelingt die Flucht und als er von den Ereignissen aufgewühlt für kurze Zeit bei Crockies Eltern untertaucht, klopfen auch bei ihnen alsbald die Timecontroller. Die gelesene Szene endet mit einem Cliffhanger, denn auf den Zeitkonten des Ehepaars wird eine verdächtig riesige Summe Zeit entdeckt.

Im weiteren Verlauf des Romans erfährt der Leser mehr über das totalitäre Regierungssystem von Ocean City sowie über das Festland, das im 22. Jahrhundert zu großen Teilen dem Klimawandel unterliegt. Die auf dem Meer treibende Stadt lebt autark, alles was ihr entnommen wird, wird ihr auch wieder zugeführt, weswegen Umweltbewusstsein und Ressourcenmanagement wichtige Kriterien sind.

Die jugendliche, aber dennoch für alle Altersklassen angemessene Sprache, gepaart mit flottem Erzählstil, macht »Ocean City« zu einem Jugendroman, der für Jung und Alt gleichermaßen Spannung verspricht, wie auch am bunten Publikum dieses Messetages zu erkennen war.

Beitragsbild: Christian Tielmann (links) und Frank Reifenberg (rechts) lesen aus »Ocean City«. © Ulrike Klemm


Die Veranstaltung: Ocean City – Jede Sekunde zählt, Leipziger Buchmesse Lesebude 2, Halle 2, 16.3.2018, 14.30 Uhr

Das Buch: R. T. Acron: Ocean City – Jede Sekunde zählt. Dtv Junior, München 2018, 265 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 10,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Ulrike Klemm

 


 

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