X-Phi vs. Old-Phi

Raus aus dem Lehnstuhl der Philosophie.

Mit neuartigen Ausdrücken kommt Nikil Mukerjis Buch »Einführung in die experimentelle Philosophie« daher, das im Wilhelm Fink Verlag erschienen ist. Selbst erfunden hat er den Begriff nicht, er kommt, ebenso wie die neue Strömung innerhalb der Philosophie, aus dem englischsprachigen Raum. Da gibt es X-Phi, was für experimentelle Philosophie steht, sie soll sich gegen die Old-Phi oder L-Phi behaupten, diese gewissermaßen revolutionieren. Old-Phi bzw. L-Phi steht für die herkömmliche Philosophie, auch gerne Lehnstuhl- oder Ohrensessel Philosophie genannt.

Sein Buch stellt der Münchner Autor und Studienleiter des Executive-Studiengangs Philosophie/Politik/Wirtschaft im Sach- und Fachbuchforum vor. Er spricht sein Publikum direkt an, versucht, diesem Reaktionen zu entlocken, hier und da schmunzelt oder nickt jemand. Vorbeigehende bleiben stehen, hören kurz zu, die meisten setzen sich dann auf den Boden, um den Vortrag zu Ende zu hören, die Sitzplätze sind alle besetzt. Mithilfe einer Power Point Präsentation werden unter anderem die Unterschiede zwischen X-Phi und L-Phi erläutert. In der L-Phi wird mit Methoden gearbeitet, die ohne Experimente und andere Beobachtungen auskommen, etwa Begriffsanalysen, logische Analysen und Gedankenexperimente. Daher kann man diese, wie ihr Name schon sagt, vom Lehnstuhl aus praktizieren. Die experimentelle Philosophie bedient sich hingegen Methoden aus den Naturwissenschaften. Am wichtigsten sind Fragebogenstudien, in denen Laien mit philosophischen Gedankenexperimenten konfrontiert werden. Auszüge aus solchen Studien finden sich etliche in Mukerjis Büchlein. Die experimentelle Philosophie sollte die Methoden der klassischen Philosophie ergänzen, Philosophen sollten sich nicht nur auf ihre eigene Intuition, die oft fehlerhaft sei, verlassen, sondern mithilfe der Befragungsmethoden auch auf die Intuitionen Anderer zurückgreifen. Was genau mit »Intuition« gemeint ist, führt Mukerji nicht näher aus, obwohl es wichtig wäre, denn es ist einer der zentralen Begriffe im Buch.

Da es unter Experten einige Argumente gegen die Methode der experimentellen Philosophie gibt, werden auch diese erläutert und teilweise widerlegt. Es sei nicht einfach, etwas Neues zuzulassen, denn sonst müssten ja manche um ihre Lehrstühle fürchten, wirft Mukerji mit einem Augenzwinkern ein.

Wer Lust auf mehr experimentelle Studien hat und genaueres über die Unterteilung innerhalb der X-Phi wissen will, kann das Buch lesen. Die vielen, eher umständlichen Abkürzungen sind gewöhnungsbedürftig, ebenso die Fehler, die sich auf den knapp 200 Seiten eingeschlichen haben. Vielleicht war der Lektor krank oder die Zeit hat nicht mehr gereicht, um das Büchlein davon zu bereinigen? Einen solideren Eindruck machte auf jeden Fall der Vortrag Mukerjis, der außerdem einen guten Überblick über die experimentelle Philosophie vermitteln konnte.

Beitragsbild: Nikil Mukerji © Veronika Mücke-Sprügl


Die Veranstaltung: Nikil Mukerji: Chancen und Risiken der experimentellen Philosophie, Forum Sach- und Fachbuch, Halle 3, Stand H300, 24.3.2017, 16.30 Uhr

Das Buch: Nikil Mukerji: Einführung in die experimentelle Philosophie. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2016, 211 Seiten, 19,90 Euro


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Die Rezensentin: Veronika Mücke-Sprügl

 


 

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