»Wunschträumer können alles erleben«

Akram El-Bahay liest aus »Henriette und der Traumdieb«.

Träume bieten uns eine Welt unbegrenzter Möglichkeiten. Aber die Traumwelt ist nicht immer mit positiven Erlebnissen verbunden. Es gibt schöne und wunderbare Träume, aber auch schaurige Alpträume. An manche dieser Träume können wir uns nicht erinnern, an andere wiederum sogar sehr gut. Dieses Reich der guten und schlechten Träume ist der Stoff, um des es in »Henriette und der Traumdieb« geht.

Der Autor und Journalist Akram El-Bahay erzählt darin die Geschichte von Henriette, einem Mädchen, das besonders schöne Träume hat und sich ebenso gut an sie erinnert. Doch eines Tages sind ihre letzten Träume plötzlich aus ihrem Gedächtnis verschwunden. Sie findet heraus, dass ein Traumdieb sie gestohlen hat. Henriette beschließt, den Dieb in der Traumwelt zu suchen und sich ihre schönen Träume zurückzuholen. Das erfordert allerdings viel Mut, denn in der Traumwelt warten nicht nur gute Träume auf sie, sondern auch der Nachtschattenwald, wo die Alpträume entstehen, oder heiße Wüsten und eine schaurige Hexe. Also bleibt die Frage: Schafft Henriette es, ihre Träume zurückzuholen?

© Ueberreuter
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Das wollten einige Zuschauer erfahren, vor allem Eltern mit ihren Kindern. Allmählich füllte sich der abgetrennte Raum in der Kinderbuch-Messehalle. El-Bahay erzählte zunächst über seine Protagonistin Henriette. Sie ist Wunschträumerin und kann sich ihre Träume sogar erwünschen. Dann begann er, einen Abschnitt zu lesen, in dem er Henriettes Bruder Nick vorstellte. Er gelangt durch Zufall ebenfalls in die Traumwelt und kann seiner Schwester nun bei ihrer Suche nach dem Traumdieb zur Seite stehen.

El-Bahay las mit ruhiger Stimme und setzte gekonnt verschiedene Intonationen für die Charaktere ein. Einem Riesen verlieh er beispielsweise eine tiefe und dumpfe Stimme, während er die Hexe höher sprechen ließ. Selbst das Gesicht des Autors zeigte die absolute Leidenschaft für seine Geschichte. Mit einer lebhaften Mimik gab er jeder Figur einen bestimmten Ausdruck, sodass es Spaß machte, zuzuhören und zuzusehen. Dadurch steigerte sich die Spannung im Publikum, und jeder verfolgte aufmerksam, was Henriette erlebt. Ab und an lockerten Passagen zum Schmunzeln die Spannung etwas auf, etwa als ein Hauptmann sein fettes Pony auf dem Rücken tragen muss.

Anschließend las El-Bahay einen weiteren Abschnitt über den Nachtschattenwald und die Hexe Nanaba. Der Autor blieb weiterhin überaus entspannt, aber gleichzeitig vertieft in sein neues Buch. Er nahm jeden der Zuschauer und Zuhörer in seine Welt der Träume mit. Das schaffte er trotz kleiner Unruhen im Publikum und der Hintergrundgeräusche auf der Messe.

Kinder und Jugendliche können mit diesem Buch ihre Fantasie entdecken, doch auch Erwachsene sollte es das Träumen wieder lehren. Und für die Kinder eine wichtige Einsicht: Nicht nur beim Schlafen kann man sich in Träumen bewegen: Mit diesem Buch kann man es ebenso gut, und zwar ganz ohne ins Bett zu müssen.

Beitragsbild: Akram El-Bahay bei der Lesung. © Laura Wendler


Die Veranstaltung: Akram El-Bahay liest aus Henriette und der Traumdieb, Messe, 25.3.2017, 10.30 Uhr

Das Buch: Akram El-Bahay: Henriette und der Traumdieb. Ueberreuter Verlag, Berlin 2017, 395 Seiten, 14,95 Euro, E-Book 12,99 Euro


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Die Rezensentin: Laura Wendler

 


 

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