»Wo fängt eigentlich der Weltraum an?«

Als promovierte Astrophysikerin und zahlreich ausgezeichnete Autorin stellt die Britin Pippa Goldschmidt auf dem Forum »Die Unabhängigen« ihre neue Geschichtensammlung »Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen« vor.

Pippa Goldschmidt © Chris Scott

Auf das Datum der Erscheinung des Sammelwerks Pippa Goldschmidts fallen gleichzeitig die Geburtstage der Autorin und ihrer Übersetzerin Zoë Beck, ein schöner Zufall, wie es heißt. Beide hätten sich auf einer Astrophysiker-Party kennengelernt und literarisch zueinandergefunden. Pippa Goldschmidt, aufgewachsen in London und heute in Edinburgh zu Hause, gewann unter anderem den schottischen »New Writers Award«. Als eine weibliche Rarität in der Wissenschaft der Astronomie belegte sie zudem das Programm des kreativen Schreibens der »University of Glasgow«. Somit werden in ihren Geschichten wissenschaftliche Erkenntnisse sowohl in das Dasein, hauptsächlich weiblicher, Hauptpersonen, als auch bekannter Künstler verpackt. Es entsteht eine unterhaltsame Mischung aus ironischer Weltdarstellung und der Frage nach der Eigenart des Weltraums.

»Wie korrekt muss man sein (um im Leben etwas zu erreichen)«, so lautet der Titel der ersten Erzählung, die abwechselnd in englischer und deutscher Sprache vorgelesen wird. Eine Wissenschaftlerin veröffentlicht ein Paper, steht in der Namensliste gerade einmal über der Katze irgendeines Kollegen und muss sich im engen Rock in einer schlechten Fernsehsendung behaupten. Die Nächste erzählt von schlagkräftigen Frauen der Suffragettenbewegung Anfang des letzten Jahrhunderts, die auch vor Sternwarten nicht haltmachen. Die titelgebende Story »Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen« wiederrum beschreibt irrwitzigen Schrott, der im Weltraum herumschwirrt. So zum Beispiel schlechte Gedichtsammlungen, Millionärsasche und herabstürzende Astronautenleichen.

© CulturBooks

Durch die gut besetzten Reihen zieht sich ein erheitertes Gelächter und auch die drei am Pult – neben den beiden Frauen Verleger Jan Karsten – müssen immer wieder schmunzeln. Werden in Pippa Goldschmidts Buch eigentlich kritische Themen angesprochen, wie die Benachteiligung der Frauen im Arbeitsgeschäft oder der menschliche Umgang mit seiner Umgebung, so kann man sich ein Lachen zwischen den Seiten nicht verkneifen. Und auch während der kurz gehaltenen Lesung, ist die Stimmung im Publikum durchgehend gespannt und erheitert.

Zu guter Letzt können sich die Zuhörer noch ein eigenes Exemplar des im CulturBooks Verlag erschienen Buches zulegen und von der sympathischen Britin Pippa Goldschmidt signieren lassen. »Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen« ist eine geistreiche und gleichzeitig abwechslungsreiche Leistung der Autorin und ihrer Übersetzerin, das vor allem die Nicht-Naturwissenschaftler beeindruckt. Denn diese Frage stellen sich bestimmt einige unter uns: »Wo fängt eigentlich der Weltraum an?«

Beitragsbild: Autorin Pippa Goldschmidt (links) mit Übersetzerin Zoë Beck (mitte) und Verleger Jan Karsten. © Sarah Herchenhahn


Die Veranstaltung: Pippa Goldschmidt und ihre Übersetzerin Zoë Beck stellen Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen vor, Moderation: Zoë Beck und Jan Karsten, Leipziger Messe, Forum Die Unabhängigen, 18.3.2016, 14.30 Uhr

Das Buch: Pippa Goldschmidt: Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen. Storys. CulturBooks, Hamburg 2018, 224 Seiten, 20,00 Euro, E-Book 12,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Sarah Herchenhahn

 


 

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