»Wir alle sind fähig zu morden«

Sebastian Fitzek stellt seinen neuen Thriller »AchtNacht« und sein erstes Kinderbuch »Pupsi & Stinki« vor.

Die wahren Fitzek-Fans stehen schon lange vor Beginn der Veranstaltung im Forum für Literatur »buch aktuell« in Halle 3 der Messe. Jeder möchte einen Blick auf seinen Lieblingskrimiautoren werfen und hören, was er sich dieses mal wieder Schaurig-Schönes hat einfallen lassen. Es ist ein einziges Drängen und Schieben und von einer guten Sicht auf Fitzek kann keine Rede sein. Immerhin funktioniert das Mikrofon, sodass man dem Gespräch über den neuen Thriller folgen kann.

Mit seiner typisch verschmitzten Art verrät er, worum es in »AchtNacht« geht. Ben, der »vom Leben gebeutelt ist«, wie Fitzek so nett umschreibt, erlebt die Hölle auf Erden. Sein Name und Foto tauchen am 8.8. um 8.08 Uhr auf einer Website auf. Ab diesem Moment ist er geächtet und gilt als vogelfrei. Derjenigen Person, die ihn innerhalb von 24 Stunden ausschaltet, stehen zehn Millionen Euro frei, inklusive Begnadigung des Bundespräsidenten. Die »AchtNacht« dient dem Zwecke staatlicher Zusatzeinnahmen und das eingenommene Geld kommt unmittelbar dem Finanzhaushalt der Polizei zugute. Es handelt sich um ein Sozialexperiment, welches komplett aus dem Ruder läuft und dem Ben zum Opfer gefallen ist. Der Albtraum von einer unberechenbaren Masse, die einem derartigen Gerücht Glauben schenkt, ist für Ben wahr geworden. In dem Thriller verfolgt der Leser Bens Kampf um sein Leben.

Cover © Droemer Knaur
Cover © Droemer Knaur

Fitzek nimmt vorweg, dass seine Idee an den Gedanken der Filmreihe »The Purge« angelehnt ist. Allerdings wandelte er das »Jeder gegen Jeden« in eine »Alle gegen Einen« Situation um. »AchtNacht« ist der erste von seinen Thrillern, bei dem die Psychologie der Masse mit im Vordergrund steht. In Zeiten, in denen soziale Medien bereits wichtig sind und es auch weiterhin für die Nachrichten- und Informationsübermittlung sein werden, kommt Fitzek gerade recht mit seinem Krimi. Im Gespräch appelliert er an ihre Gefährlichkeit und die Bedeutsamkeit, mit ihnen umgehen zu können. »Wir alle sind fähig zu morden«, sagt der Autor, »wenn der Mensch nur in eine Situation kommt, in der er seine Existenz und seine Liebsten bedroht sieht und ein Mord davon abhängt«. Oft würden Morde nur in Ausnahmesituationen geschehen, so Fitzek.

Er schafft es, den erschreckenden Inhalt auf eine unterhaltsame Weise zu vermitteln, findet auch den Bogen zur Vorstellung seines neuen Kinderbuches »Pupsi & Stinki« und beweist damit, dass er auch mal ganz anders kann.

Gelesen wurde bei der Veranstaltung nicht. Das war auch nicht nötig, denn Fitzek erzeugt auch so eine gespannte Atmosphäre und schenkt den Lesern die Möglichkeit, die Kapitel im Alleingang durchzujagen – gemütlich im Bett oder auf der Couch, nicht im Stehen in einer Masse von Menschen im Trubel der Messe.

Beitragsbild: Sebastian Fitzek (links) © Lina Michaelis


Die Veranstaltung: Sebastian Fitzek spricht über seinen neuen Thriller AchtNacht, Forum für Literatur buch aktuell Halle 3, 26.3.2017, 11.30 Uhr

Das Buch: Sebastian Fitzek: AchtNacht. Knaur, München 2017, 416 Seiten, 12,99 Euro, E-Book 8,99 Euro



 

 

Die Rezensentin: Lina Michaelis

 


 

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