Willkommenčić in Leipzig

Danko Rabrenović stellt sein Buch „Herzlich willkommenčić – Heimatgeschichten vom Balkanizer“ vor.

Von Saskia Horst

Lesung im Telegraph_Danko Rabrenovic-1

Am Mittwoch, den 11. März, lud das Café Telegraph am Abend zu seiner ersten Veranstaltung im Rahmen von Leipzig liest. Der Clubkeller bot mit gedimmten Licht und einer einladenden Theke alle Voraussetzungen für eine Lesung in gemütlicher Baratmosphäre. Allein die Bühne – bestückt mit Stuhl, Mikrofon, Notenständer, Klavier und Gitarre – war hell beleuchtet. Musik sollte es nämlich auch geben!

 

Um kurz nach Neun begrüßte Julia Giordano vom DuMont Buchverlag die Zuhörer, ganz nach Thema des Abends, mit den Worten „Herzlich willkommenčić“. Kurz und knackig stellte sie die Hauptperson des Abends vor und übergab die Bühne an Danko Rabrenović: den „Balkanizer“. Dieser arbeitet neben dem Schreiben als Radio-Moderator und Musiker. Letzterer Berufung ist zu verdanken, dass die auf der Bühne liegende Gitarre an diesem Abend nicht nur einmal zum Einsatz kommen sollte. Mit einer Mischung aus Liedern seiner deutschsprachigen Balkan-Ska-Reggae-Punk Band „Trovači“ sowie serbo-kroatischen Volksliedern schmückte Rabrenović die vorgelesenen Geschichten aus. Diese musikalische Untermalung trug merklich zur Verzückung des Publikums bei, was sich in freudigem Mitklatschen äußerte. Aber auch die vorgetragenen Buchausschnitte an sich riefen Begeisterung bei den Zuhörern hervor und Rabrenović erntete etliche Lacher.

Cover Herzlich willkommenčić

In seinem Buch „Herzlich willkommenčić – Heimatgeschichten vom Balkanizer“ stellt Rabrenović den Lesern durch autobiografischen Geschichten sein Leben in zwei Heimaten, Deutschland und dem Balkan, vor. Auch wenn seine beiden Welten oft unterschiedlicher nicht sein könnten, greifen sie doch immer wieder ineinander. Auf humorvolle Weise spielt er dabei mit Sitten und Klischees. So liest er über Belgrader Taxifahrer, für die angeschnallte Kunden nicht nur ein böses Omen bedeuten, sondern vor allem ein uncooles Ärgernis sind. Das nervige Warnpiepen wird geschickt durch extra angefertigte Metallaufsätze auf den Anschnallvorrichtungen verhindert. Sie sind ja schließlich (noch) nicht auf den Kopf gefallen.

In komplettem Gegensatz dazu die Düsseldorfer Taxifahrer, die eine im Regen stehende Familie nicht mitnehmen können, weil Kinder nicht ohne Kindersitz an Board kommen dürfen. Das kostet 70 Euro und einen Punkt in Flensburg. Am Ende des Kapitels trifft er auf einen bosnischen Taxifahrer in Düsseldorf, der ihm ein leckeres Sandwich anbietet, das er in seinem Kofferraum lagert – so vereinen sich wieder beide Welten.

 

Heimat bezeichnet für Rabrenović keine „geografische Koordinate“, sondern ein Gefühl.

 

Einen großen Anteil an der heiteren Atmosphäre trug ohne Zweifel der Charme des Autors bei. Gelassen und sympathisch sprach er mit serbo-kroatischem Akzent. Nicht scheu dabei diesen als auflockernde Pointe zu nutzen. Mit einem Grinsen versicherte Rabrenović, er spräche immer so, auch zu Hause, es sei kein Gag um eines der in seinem Buch beschriebenen Klischees zu erfüllen. Mit derselben Schlagfertigkeit verabschiedete er das Publikum nach der Lesung. Er wies darauf hin, dass sein Buch im Handel 14,99 Euro koste, aber auf Lesungen verkaufe er es gerne für 15 Euro – ein Cent Balkansteuer, versteht sich. Außerdem lud er zum gemeinsamen Trinken und Feiern ein. Seine besten Balkan-CDs hatte er alle dabei.

Danko Rabrenovic

 

Zum Buch: Danko Rabrenović; Herzlich willkommenčić – Heimatgeschichten vom Balkanizer; DuMont Buchverlag; 14,99 Euro.

Zur Veranstaltung: Begrüßung durch Julia Giordano vom DuMont Buchverlag; Lesung mit Musik von Danko Rabrenović; Café und Restaurant Telegraph; 11. März 2015 um 21:00 Uhr.

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