Wie stirbt man in Würde?

Susann Pásztor im Gespräch mit Shelly Kupferberg über ihren neuen Roman »Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster« im Bestattungshaus Hoensch.

© Kiepenheuer & Witsch
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Zum Lesefest Leipzig liest der Leipziger Buchmesse gibt es rund 3.400 Veranstaltungen in diesem Jahr auf 571 Bühnen. Eine dieser Bühnen ist das Bestattungshaus Hoensch im Leipziger Norden. In einem schlichten Andachtsraum hat sich die Autorin Susann Pásztor mit Shelly Kupferberg getroffen, um über ihren neuen Roman »Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster« zu sprechen.

Fred hat den Wunsch seinem Leben mehr Sinn zu geben, darum beginnt er eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter. Er glaubt zu wissen, wie er der todkranken Karla helfen kann. Blöd nur, dass diese nicht mehr als ein bisschen menschliche Nähe vor ihrem Tod möchte. Phil, Freds Sohn, muss die Situation retten.

Wie ihr Protagonist Fred, hat sich auch Pásztor im vergangenen Jahr zur Sterbebegleiterin ausbilden lassen. Auch wenn sie vorher nicht gewusst habe, ob es die richtige Sache für sie sei. Was aber hat sie dazu bewogen? »Ich habe ein gutes Leben gehabt und möchte etwas zurückgeben«, meint sie. Während ihrer Ausbildung arbeitet sie mit einem Kollege zusammen, der die Inspiration für Fred gewesen sei. Der Rest des Buches aber hat – bis auf Einzelheiten – keinen Bezug zur Wirklichkeit. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass es ganz unterschiedliche Bedürfnisse in der Sterbebegleitung gebe. Manche Sterbende möchten nur ein Buch vorgelesen bekommen, andere brauchen Hilfe im Alltag und wieder andere möchten wirklich über Vergangenes und ihr Leben reden.

Kupferberg fragt Pásztor, ob Menschen so sterben wie sie gelebt haben? Einige schon – Karla gehört ganz sicher zu diesen Menschen. Aber viele andere Menschen sterben, ohne dass Sterbebegleiter wissen, wie das frühere Leben ausgesehen hat. »Aber darum geht es auch gar nicht. Viel wichtiger ist die Frage: Wie stirbt man in Würde?«, so Pásztor. Sie weiß es auch nicht. Vielleicht bestimmt diese Suche ja ihren Weg.

Ein stilles, unpathetisches Buch über das Leben und was danach kommt, wenn einer aufsteht und das Fenster öffnen muss.

Beitragsbild: Susann Pásztor (links) mit Shelly Kupferberg (rechts). © Sebastian Adam


Die Veranstaltung: Susann Pásztor liest aus Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster, Moderation: Shelly Kupferberg, Hoensch Kulturhalle LE, 25.3.2017, 19 Uhr

Das Buch: Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017, 288 Seiten, 20 Euro, E-Book 16,99 Euro


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Der Rezensent: Sebastian Adam

 


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