»When you’re dead, you’re dead. And until then, there’s ice cream«

Zwei beste Freunde auf dem Weg nach Gorleben. Ziel: eine Demonstration gegen den Castortransport. Wesentliches Ziel: Frauen aufreißen, Abenteuer, kiffen. Über eine Freundschaft ohne Kompromisse, spritzig, durchgeknallt, unverwundbar.

Das urig-gemütliche Chillum des Café Puschkin empfängt die Besucher mit dämmriger Atmosphäre. Der verblasste Geruch von Tabak hängt im gesamten Raum, ebenso authentisch wie das rustikale Meublement. Vor uns das kleine entzückende Lesepult, geschmückt mit einem Glas Bier.

Begrüßt werden wir im Berliner Akzent. Nicht viel Drum-Herum-Gerede – gleich zur Sache kommen. Martin Spieß stellt uns verschiedenste Passagen aus seinem Roman vor. Er liest sehr betont, klar und deutlich, achtet auf Hebung und Senkung seiner Stimme. Das Publikum hat er bei sich. Ihm zu folgen ist ganz leicht.

Martin Spieß studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. »Und bis es soweit ist, gibt es Eiscreme« ist sein zweiter Roman. Er veröffentlichte außerdem zwei Kurzgeschichtenbände und eine Novelle. Viel Zeit für die Fertigstellung eines Romans brauche er nicht: »Ein Buch schreibe ich tatsächlich in bis zu sechs Monaten. Nur die neue Ideenfindung dauert sehr lange.« Seine große Leidenschaft neben dem Schreiben ist die Musik. Mit der Band VORBAND macht er deutschsprachigen Indierock und arbeitet zurzeit an seinem ersten eigenen Rap-Album. Dope habe er, im Gegensatz zu seinen Protagonisten, noch nie konsumiert. »Dat mach ich ja nicht. Ist ja gegen Recht und Ordnung«. Schmunzeln im Publikum.

Ein Serienjunkie mit Herz bei der Sache. Mehrfach erwähnt er die Großartigkeit der britischen Science-Fiction-Serie »Doctor Who«, aus der er auch für die Gestaltung der Protagonisten schöpfte. Getarnt als fiktive Reporter der Serie bahnen sich der Ich-Erzähler und sowie sein bester Freund gemeinsam ihren Weg durch fast ausweglos prekäre Situationen. Irrwitzig und beinahe lächerlich, wie rasch sie sich immer wieder aus ihrer Lage retten können. Auch der Titel des Romans war keineswegs Zufall. Er entsprang einem Zitat des Serienschauspielers Patrick Jane aus »The Mentalist« und beschreibt makellos genau das, was Martin Spieß mit seiner Geschichte vermitteln möchte: »Warum dann nicht einfach leben – und solange Eis essen?«

Martin Spieß im Chillum. © Elisa Jankowski


Die Veranstaltung: Martin Spieß liest aus Und bis es soweit ist gibt es Eiscreme, Café Puschkin/Chillum, 23.3.2017, 18.30 Uhr

Das Buch: Martin Spieß: Und bis es soweit ist gibt es Eiscreme. CulturBooks, Hamburg 2017, 240 Seiten, 15 Euro, E-Book 9,99 Euro


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Die Rezensentin: Elisa Jankowski

 


 

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