Wer zuletzt lacht, lacht am besten

 

Im Rahmen einer Lesung in der naTo in Leipzig liest Lukas Adolphi aus seinem Buch »die cops ham mein handy«.

Mit rotem Stoff überzogene Stühle, die auf Stufen aufgereiht waren; davor eine leere Bühne, worauf sich nur ein alter Stuhl mit einer Stehlampe und einem kleinen Tisch befand und dazu gedämpftes Licht, welches gerade das spärliche Inventar auf der Bühne ausleuchtete: als ich den Raum betrat, dachte ich sofort an ein Theater oder einen Kinosaal. Vor allem als zu Beginn bei Klaviermusik eine Leinwand mit einer Programmvorschau herunterfuhr, bestärkte sich mein Gefühl noch zusätzlich. Später hätte ich mir tatsächlich gewünscht, das Vorgetragene entstammt aus einem Film, doch dazu gleich mehr.

Der Herausgeber Lukas Adolphi © Sarah Pschorn

Lukas Adolphi wird eines Tages von zwei Jugendlichen überfallen, wobei sein Handy geklaut wird. Als einige Zeit später die Jungs von der Polizei geschnappt werden, bekommt er sein Handy tatsächlich wieder und erlebt dabei aber eine Überraschung: Alle Nachrichten, die währenddessen von den Räubern verfasst wurden, waren noch auf dem Handy nachzulesen. Und weil es doch nichts Besseres gibt, als mal in einem fremden Handy herumschnüffeln zu dürfen, hat Adolphi diese Nachrichten genommen und einfach unverändert in ein Buch gepackt. Schon beim Lesen bin ich aus dem Lachen, aber vor allem Kopfschütteln, nicht mehr herausgekommen. Ich war mehr als froh, dass zu Beginn noch ein Glossar zur Erklärung der verwendeten Abkürzungen bzw. scheinbar frei erfundenen Worte beigefügt war. Ich wäre wohl nicht gleich darauf gekommen, dass »ssz« die Abkürzung für »schreib schnell zurück« ist oder dass »penne« »Schule« bedeutet. Zu sagen, die Textnachrichten seien in Jungendsprache verfasst, wäre eine maßlose Untertreibung, was gerade bei der Lesung sehr schnell seine Wirkung gezeigt hat. Schon nach den ersten Sätzen ertönte im Publikum herzhaftes Lachen. Direkt zu Beginn des Buches wird der neuen Flamme bereits eine Liebeserklärung gemacht: »Ich liebe dich. Dich liebe ich. Von mir für dich. In liebe ich… <3« Dass gleich in der nächsten Nachricht die Liebe zur aktuellen Freundin erwidert wird, mit welcher die Zentralfigur Marco vier Nachrichten später jedoch Schluss macht, lässt früh erahnen, wie auch inhaltlich die Konversationen verlaufen werden. Dennoch wurde ich bei jeder kleinen Trinkpause von Adolphi ungeduldig, da ich die Fortsetzung der Gespräche nicht abwarten konnte. Umso größer war die Enttäuschung, wenn die Handlung nicht fortsetzte, weil die »Figuren im Buch tatsächlich auch mal im realen Leben kommuniziert hatten«. Adolphi nannte es passenderweise den »blinden Fleck«. Je weiter die Nachrichten jedoch fortschritten, desto mehr Leute griffen sich im Publikum an den Kopf und selbst Lukas Adolphi unterbrach zwischendurch, hob seine Hände und sagte: »Ich kann nichts dafür, das steht hier so«. So lustig es ist, wurde mir irgendwann bewusst, dass das schon reale Nachrichten von realen Menschen sind, was wiederum blankes Erschrecken bei mir zurückließ. Dann hätte ich mir doch lieber gewünscht, das Ganze entspringe einer kreativen Feder.

Das Buch sieht den Reclam-Heften zum Verwechseln ähnlich. © Jakob Adolphi.

Aber so bekommt das Sprichwort »Wer zuletzt lacht, lacht am besten« schlussendlich eine ganz neue Bedeutung: Wir haben viel gelacht an diesem Abend. Wir haben gelacht über Textnachrichten, welche an Absurdität nicht übertroffen werden können; einen jungen Mann, welcher (neben seiner Freundin) vier Freundinnen mit gewissen Vorzügen hat und selbst bei seinem besten Kumpel die SMS mit »Kuss« und »ild« abschließt, was die Abkürzung für »Ich liebe dich« ist. Und wir haben gelacht mit Lukas Adolphi, der den ganzen Abend lässig, mit überschlagenen Beinen, in seinem Sessel saß und scheinbar sich selbst und auch sein Buch nicht so ganz ernst genommen hat. So lachen wir alle zuletzt, weil aus etwas so Schrecklichem wie einem Raubüberfall, der Schrecken bei Adolphi zurückließ, einfach ein sehr, sehr lustiges kleines Büchlein entstanden ist und uns allen einen amüsanten Abend beschert hat.

 

Beitragsbild: Lukas Adolphi kann sich selbst beim Lesen des Buches das Lachen nicht immer verkneifen.

© Laura Steglich


Die Veranstaltung: Szenische Lesung, Lukas Adolphi liest aus »die cops ham mein handy«, die naTo Leipzig, 27.8.2018, 19 Uhr


Das Buch: Lukas Adolphi (Hrsg.): die cops ham mein handy. Leipzig 2018, 78 Seiten, 7,48 Euro, E-Book 7,48 Euro

 

 

 

Die Rezensentin: Laura Steglich

 

 

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