Wer stinkig ist, darf wünschen

Kirsten Fuchs lässt in ihrem von Cindy Schmidt bebilderten Kinderbuch abgefahrene Gestalten wie »Miesepups« und »Kucks« aufeinandertreffen.

Ein Pups kommt selten allein. Es sei denn, es ist ein mieser. Der widmet sich lieber seiner einzelgängerischen Stolper- und Fluch-Karriere. Denn so funktioniert ein Miesepups. Nicht, dass er etwas mit Pupsen zu tun hätte – nein! Laut der Autorin Kirsten Fuchs ist ein Miesepups lediglich »stinkig«.

Aber all die kleinen Pupse, die sich am Sonntagmorgen vor der Buchhandlung »Serifee« voll kindlicher Vorfreude tummeln, sind nun wahrlich in Scharen gekommen. Obwohl sie auch noch ihre Eltern mitgebracht haben, geschieht das erste Wunder der anstehenden Lesung: Die gesamte ungeduldige Meute findet Platz in dem kleinen Laden. Lerneffekt Nummer Eins: fette Papierrollen eignen sich ganz wunderbar als Sitz-Alternative. Lerneffekt Nummer Zwei schließt sich daraus: Man nehme all das, was einem gefällt und mache daraus das, was einem noch besser gefällt, auch wenn es eigentlich nicht zusammen passt. So wie ein Miesepups und ein Kucks. Da kann es schon mal passieren, dass stinkige Laune das beste Mittel für gute Laune ist.

© Verlag Voland & Quist
© Verlag Voland & Quist

Die von Berlins Lesebühnen bekannte Autorin und Jugendliteraturpreisträgerin Kirsten Fuchs erweckt die Figur ihres Buches »Der Miesepups« zum Leben. Je mehr Fuchs ihren leibechten, bemoosten Miesepups mit kratziger Stimme grummeln lässt, desto vergnügteres Kichern breitet sich aus. Schließlich passiert es nicht alle Tage, dass alles, was sich dafür eignet – also alles – über den Haufen geworfen wird. In dem Bilderbuch kommt nicht etwa ein edler Ritter oder ein armer Bauernsohn mit Moralkeule in den Genuss, sich Wünsche von einer Fee erfüllen lassen zu dürfen, nein! Ausgerechnet dem Miesepups soll dies vergönnt sein. Da er recht kopflos an die ganze Wünscherei geht, kommt ihm sein Dickschädel abhanden und er muss sich gezwungenermaßen die Welt außerhalb seiner düsteren Höhle anKuck(s)en.

Kirsten Fuchs mit Miesepups. © Anna Löwe
Kirsten Fuchs mit Miesepups. © Anna Löwe

Wunscherfüllung ist beim Miesepups eher verzwickt, in der Buchhandlung »Serifee« gelingt diese jedoch großartig. Teil einer Geschichte sein zu dürfen, ist wohl Sehnsucht jedes Buchliebhabers. Genau diesen Traum lässt Fuchs lebendig werden: Die Kinder dürfen die Geräuschkulisse der Lesung gestalten, Feen-Rufe in die Welt schicken, den waschechten Miesepups anfassen und ihre Lieblingswünsche äußern. Nur leider fällt kein »Todesstern«, nach dem sich einer der kleinen Zuhörer verzehrt, vom Himmel.

Dafür gibt es zur Belohnung fürs Mitgestalten auch noch einen Lerneffekt oder nennen wir es Lebensweisheit Nummer Drei und Vier: Wenn mal wieder die Lust am Aufräumen fehlt – einfach das Licht ausmachen, dann sieht‘s keiner! Aber vor allem: Man sollte sich auf keinen Fall von den Miesepupsen dieser Welt verängstigen lassen! Und da man sich ohne Fee Angst nicht einfach weg wünschen kann, verzaubert Kirsten Fuchs diese Angst einfach in ausgelassenes Lachen, das bis weit nach der Lesung anhält.

Beitragsbild: Kirsten Fuchs mit Miesepups. © Anna Löwe


Die Veranstaltung: Der Miesepups, Mitwirkende: Kirsten Fuchs, Kinderbuchladen Serifee, 26.3.2017, 11 Uhr

Das Buch: Kirsten Fuchs: Der Miesepups. Verlag Voland & Quist, Dresden und Leipzig 2016, 40 Seiten, 14,90 Euro



 

 

Die Rezensentin: Anna Löwe

 


 

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