Wenn Lärmentwicklung die Veranstaltung stört

Sandy Farmers Lesung mit Hindernissen.

Ich befinde mich in einem beengtem Raum, der spärlich durch einige rote Lampen beleuchtet ist. Die Gesichter der Anwesenden sind nicht detailliert zu erkennen, obwohl nur etwa 20 Personen anwesend sind. Es ist so dunkel, dass ich kaum meine eigenen Notizen lesen kann, die ich im Laufe der Vorstellung erstelle. Diese Aufmachung unterstützt wunderbar die Stimmung, die der neue Psycho-Thriller »Blutende Erde« von Sandy Farmer erzeugt. So sitzen die Anwesenden gespannt am Samstagabend im Staubsauger, einer Szene-Kneipe Leipzigs, und lauschen den Worten der Autorin. Sie stellt sich kurz und knapp vor und beginnt sofort danach, eine Passage aus ihrem Buch vorzulesen.

In diesem geht es um Jessica, die bei einem Wanderausflug von einer Sekte entführt wird und fortan um ihr Überleben kämpft. Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass sie dabei einige Grausamkeiten erleben und durchmachen muss. Als erste Szene wählt Farmer diejenige aus, in der José, Jessicas Freund, eine Vermisstenmeldung bei der Polizei aufgibt. Die zweite vorgelesene Szene geht schon eher unter die Haut: Jessica befindet sich im Kreis der Sekte und muss das Aufnahmeritual durchmachen. Dabei werden ihr und den anderen Sektenmitgliedern die Hände aufgeschnitten und das Blut in einem Kelch gesammelt. Jessica muss dieses anschließend trinken. Es werden Pferde mit einem Dolch getötet, und Jessica selbst ist für die Sekte eine Art Gefäß zum Fortbestand eben dieser.

Das Buch erzeugt eine dichte Atmosphäre, auf die ich mich leider nicht vollständig einlassen kann. Der Raum ist lediglich mit einem Vorhang zur Bar abgetrennt, wodurch kontinuierlich Geräusche von Wettkämpfen am Kicker-Tisch herüberdringen. Laute Rufe wie »Aaahhh! Tor!« oder »Nein, du Penner!« aus dem Nebenraum machen es einem nicht gerade einfach, sich zu konzentrieren. Gerade bei einer so spannenden Erzählung wie dieser ist das doppelt ärgerlich. Am meisten wohl für die Autorin selbst. Nachdem sie die zweite Szene gelesen hat, will Farmer sich bereits verabschieden, als aus dem Publikum ein knappes »Das wars schon?!« kommt. Die Autorin zögert nicht lange und improvisiert die Lesung einer weiteren Szene. Hätte sie doch nur ihre Lesebrille dabei! Glücklicherweise kann ihr eine Dame aus dem Publikum aushelfen: »Ich habe 1+, passt Ihnen das?« Zumindest dieses Hindernis kann überwunden werden.

Es wird ein weiterer Auszug gelesen, der den Höhepunkt des Abends darstellt. Jessica setzt sich unter Drogen, damit ihr das bevorstehende Ritual so wenig real wie möglich erscheint: Sie soll zum ersten Mal einen Menschen töten. Wie die Szene ausgeht, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Ich empfehle das Buch jedem, der Spaß an Thrillern hat und nicht zu zimperlich ist. Trotz der bestehenden Geräuschkulisse hat mich das Buch überzeugt. Die Veranstaltung selbst hat insgesamt jedoch darunter gelitten.

Beitragsbild: Coverausschnitt © Sandy Farmer


Die Veranstaltung: Sandy Farmer liest aus Blutende Erde, Staubsauger, 25.3.2016, 19.30 Uhr

Das Buch: Sandy A. Farmer: Blutende Erde. Selfpublisher Verband, 360 Seiten, 11,99 Euro, E-Book 3,99 Euro


Der Rezensent: Maximilian Plettenberg


 

3 Gedanken zu „Wenn Lärmentwicklung die Veranstaltung stört

  1. Ich las diesen Roman bereits vor 3 Monaten. Ich bin überzeugt, dass es als Film ein echter Reisser und Kassenschlager wird.

  2. so viel Spannung wie in diesem buch hat man selten.Gänsehaut Luft anhalten ,bangen,schnell zur nächsten Seite.,wie wird wohl weitergehen.danke sandy farmer

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