Was macht ein Badeentchen im Pazifik?

Brandis_Floaters_Vorschau3.inddKatja Brandis liest aus ihrem neuen Roman und berichtet über das große Müllproblem in unseren Meeren

 Von Antonia Rassow

Aus dem großen Schulklassenstrom, der sich am Donnerstagvormittag durch die Buchmesse schlängelt, wird ein großer Schwung wissensdurstiger und neugieriger Jugendlicher an den Strand des Lese-Treffs gespült. Gerade rechtzeitig, um die Autorin Katja Brandis mit ihrem neuen Near-Future Roman „Floaters – Im Sog des Meeres“ anzutreffen. Doch bevor es ruhig wird und die jungen Zuhörer auch den letzten freien Platz auf dem Fußboden vor der Bühne eingenommen haben, tauchen ein Dutzend Smartphones über den Köpfen auf, um ihren Besitzern eine handfeste, mediale Erinnerung zu sichern.

Auf der Leinwand hinter Katja Brandis sieht man nun die Cover einiger zuvor erschienenen Bücher der hauptberuflichen Schriftstellerin. Darunter auch „Ruf der Tiefe“, ein Buch, dessen Schauplatz der Ozean ist. Die Autorin erklärt, dass dort ein großer Müllstrudel erwähnt wird und sie diesbezüglich zahlreiche besorgte Leserbriefe bekommen habe. „Den gibt’s nicht wirklich, oder?“ sei oft gefragt worden und sie habe die Fragenden enttäuschen müssen, denn den großen pazifischen Müllstrudel gibt es wirklich.

Heute stellt Katja Brandis ihren neuen Roman „Floaters“ vor, der sich voll und ganz dieser riesigen Ansammlung von Müll im Meer widmet. „In meinem Buch habe ich mir die Freiheit genommen, diesen Müllstrudel aufzuräumen“.

Es wird immer ruhiger im Publikum und immer mehr Zuhörer folgen interessiert den Textpassagen, die sie in die Geschichte über das Aufräumen des Meeres eintauchen lassen, mitten in den Pazifik und ins Jahr 2030. Die Blicke der Jugendlichen wenden sich ab vom Display ihrer Smartphones und wandern zu der Frau mit meeresblauem Schal, die da vorne sitzt und ihnen etwas vorliest, das so drastisch die Situation des Ozeans beschreibt, dass es weit von der Realität entfernt zu sein scheint.

„Es stimmt alles“. Damit meint Katja Brandis nicht die Figuren Malika und Danìlo oder den Indonesier Arif und dessen Schicksal, auf einem modernen Piratenschiff gelandet zu sein. Sie meint den Müllstrudel im Pazifik, die Unfälle von Container-Frachtern, die häufig viele Tonnen Ladung im Meer verlieren und die Möglichkeit, in der Zukunft mit speziell dafür gebauten Schiffen den Müll wieder aus dem Meer fischen und recyclen zu können.

Ihre Lesung unterstreicht Brandis mit passenden Fotos aus der Wirklichkeit. Schwimmende Müllteppiche, Schiffe, die in der Geschichte vorkommen, ein Badeentchen auf dem weiten Meer.

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„Wie kommt ein Regenschirmgriff in den Pazifik?“ fragt die Autorin in die Runde und kommt mit ihrem Mikrofon zu den Kindern. „Und wie kommen Bowlingkugeln ins Meer?“, geht das Fragespiel nach einem Leseabschnitt weiter. Natürlich gibt es auf alle Quizfragen eine fundierte und mit Zusatzinformationen angereicherte Antwort.

Die Jugendbuchautorin berichtet Anekdoten und neue Erkenntnisse aus der aufwändigen Recherchearbeit für „Floaters“ und schiebt zum Schluss ein weiteres kleines Ratespiel ein: „Wie lange dauert es, bis sich Müll abgebaut hat?“ Einige Jugendliche sind entsetzt, als sie erfahren, dass eine Einwegwindel 450 Jahre und eine Aludose 200 Jahre brauchen wird, um sich aufzulösen.

Mit einem Tipp, im Haushalt weniger Einwegplastik zu verwenden, beendet sie etwas abrupt die Lesung und wird sofort von einer Traube neuer Fans umringt, die schon kurze Zeit später zufrieden mit einem druckfrischen Exemplar ihres Buches inklusive Signierung den Lese-Treff verlassen.


Zum Buch: Katja Brandis; Floaters – Im Sog des Meeres; Beltz & Gelberg; 17,95 €

Zur Lesung: Floaters – Im Sog des Meeres; Katja Brandis; Leipziger Buchmesse, Lese-Treff; 12. März 2015; 12:30 Uhr

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