Von Pocken, Pest und Potenzprotzen

Bei „Leipzig liest historisch“ lässt Brigitte Riebe Geschichte lebendig werden

Von Nicole Thiele

Sechs goldene Kronleuchter hüllten den Renaissance-Saal im alten Leipziger Rathaus in ein geheimnisvolles Licht. An den Wänden Gemälde historischer Persönlichkeiten, die mit kritischem Blick der Reise in die Vergangenheit beiwohnen. Es schien kaum einen geeigneteren Ort für die Vorstellung eines Buches zu geben, dessen Handlung sich im gleichen Jahrhundert abspielt, in dem auch der Grundstein für das Rathaus der Messestadt gelegt wurde.

Es ist Frühling im Jahr 1542: Vincent de Vries, ein erfahrener, wissbegieriger Medicus und Johanna, die Mutter seiner Kinder und von bösen Zungen als Pestmagd bezeichnet, fliehen aus der Stadt Köln. Obwohl sie vielen Kranken das Leben retteten und die tödliche Seuche Die-Versuchung-der-Pestmagtüberlebten, war ihnen und ihrer Familie nicht jeder wohlgesonnen. Auf Anweisung des Kurfürsten Albrecht von Brandenburg, den einige Wehwehchen plagten, wurde Vincent als dessen persönlicher Leibarzt nach Mainz bestellt. Das Schicksal hatte es endlich gut gemeint mit ihnen. Oder? In der neuen Heimat holt Vincent seine Vergangenheit ein, der Kurfürst findet Gefallen an Johanna und eine andere Seuche, der kaum Einhalt geboten werden kann, suchte die Stadt heim: Die schwarzen Blattern machten vor niemandem halt. Egal ob arm, ob reich, jung oder alt.

Dass Brigitte Riebe, die Autorin des Buches „Die Versuchung der Pestmagd“, promovierte Historikerin ist, merkten ihre Zuhörer schnell. Voller Leidenschaft und Begeisterung berichtete sie über das Leben in fernen Jahrhunderten. So erfuhr das Publikum, dass Albrecht von Brandenburg, der tatsächlich existierte, bereits im Alter von 16 Jahren zum Herrschen gezwungen wurde und er nur so vor Männlichkeit strotzte: „Er war sein Leben lang hinter jedem Rock her.“ Der Tausendsassa ließ sich von fast jedem berühmten Maler seiner Zeit porträtieren und scheute sich nicht davor, auch seine Maitressen mit verewigen zu lassen. Riebe erklärt, dass durch das fehlende Wissen über die Arten der Ansteckung in kürzester Zeit tausende Menschen ihr Leben verloren. Wegen der Tröpfcheninfektion wünscht man IMG_5157sich heute noch beim Niesen gegenseitig Gesundheit. Einige von uns tragen am Oberarm noch eine Narbe ihrer Pockenimpfung. Die schwarzen Blattern hingegen, die gefährlichen Pocken, führten damals zum schnellen Tod: „Bei schwarzen Blattern ist nach 48 Stunden Schluss. Da braucht man sich über keine Narben Gedanken machen“ so die Autorin. Mit ihren Ausführungen und Schilderungen lässt sie die Geschichte neu aufleben.

Im anschließenden privaten Plausch redet Brigitte Riebe über das Eigenleben, das ihre Romanfiguren zuweilen entwickelten, über ihre Recherche und outete sich zudem als richtiger Leipzig-Fan. „Ich finde auch die Leipziger so nett und man merkt wirklich, dass es eine Stadt mit Lesetradition ist“ lobt sie und stellt fest „Sie sind schon kritisch, die Leipziger Zuhörer.“


Zum Buch: Brigitte Riebe – Die Versuchung der Pestmagd; Diana Verlag, 19,99€

Zur Lesung: Die Versuchung der Pestmagd; Brigitte Riebe begleitet von ihrer Lektorin Britta Hansen; Altes Rathaus Leipzig – Festsaal; 13. März 2015; 18 Uhr

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