»Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr!«

MDR-Moderator Mario D. Richardt liest in der Stadtbibliothek Markkleeberg aus seinem Buch »Papa, jetzt bist du Prinzessin!«, welches bereits 2016 im Eulenspiegel Verlag erschienen ist.

Mario D. Richardt am Büchertisch

Beworben wurde die Veranstaltung als „Comedy-Lesung“ – eine Bezeichnung, die Erwartungen weckt und auf einen Abend mit hohem Unterhaltungsfaktor hoffen lässt. Das Publikum besteht überwiegend aus älteren Damen. »Obwohl die Thematik des Vaterseins doch besonders Männer ansprechen sollte«, wundere ich mich. Das läge an dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft, witzelt Richardt und erntet vorab die ersten Schmunzler. Bis es losgeht, kommentiert er die Wartezeit in tiefer Stimme mit einem Countdown »noch zwei Minuten …«, »noch eine Minute«. Vereinzelte Plätze bleiben leer und die Männer deutlich in der Unterzahl. Die Stimmung ist gut und entspannt.

Obwohl das Buch den Titel »Papa, jetzt bist du Prinzessin!« trägt, wird schnell klar, dass nicht dieser Papa die Hauptrolle spielt. In den Geschichten aus dem Familienalltag dreht sich alles um Johanna – seine Tochter, die im Kleinkindalter die Welt erkundet und dabei das Leben ihrer Eltern komplett auf den Kopf stellt. Nicht nur Schlafmangel und weniger Zeit als Paar, sondern auch physische Begleiterscheinung gehen mit dem Elternsein einher. »Es scheint wohl etwas dran zu sein, dass auch werdende Väter begleitschwanger sind«, denke ich. Richardt schildert eindrucksvoll seinen Kampf gegen den angefutterten Speck. Diesen mit Hilfe eines »personal Trainers« wieder loszuwerden, klingt nach einer Tortur; Mitleid steigt in mir auf, denn durch die bildhafte Sprache kann ich den Muskelkater förmlich spüren. Bei der Kombination von Selbstironie und einer trockenen Art des Vorlesens kann das Publikum die Lacher nicht unterdrücken. Stellen, an denen der Witz nicht wie gedacht funktioniert, notiert der Autor sich am Buchrand mit der Bemerkung »Witz kommt in Markkleeberg nicht an«, sodass das Publikum doch zum Lachen gebracht wird. Zwischendurch immer mal wieder den aktuellen Spielstand checken, es spielt schließlich die Nationalmannschaft – 1:0 für Deutschland.

© Eulenspiegel Verlag

Dass der Nachwuchs für Eltern oft zur Geduldsprobe wird, war mir bereits klar. Man braucht aber scheinbar Nerven wie Drahtseile. Das wird deutlich, als Richardt von den Machtspielchen beim Frühstück berichtet. War es sonst Milch mit Honig, ist es heute Kakao, natürlich nicht von Papa zubereitet, sondern von Johanna selbst, mit Strohhalm, versteht sich. Aber nicht irgendein x-beliebiger – lila muss er sein. Der Autor bringt die nervliche Zerreißprobe auf eine authentische, aber gleichzeitig liebevolle Art rüber. Das kindliche Kauderwelsch imitiert er mit piepsiger Stimme. Vaterstolz durchzieht den Raum. Ich nehme mitfühlendes Kopfnicken wahr. In mir steigt die Frage auf: »Hätte ich auch genug Geduld und Selbstbeherrschung für ein Kind?« Beim Fußball steht es mittlerweile 2:0.

Meine Zweifel wachsen. Der Autor geht eine von ihm selbst aufgestellte Checkliste durch, welche Aufschluss darüber geben soll, ob man für das Elternsein geeignet ist. »Das sieht nicht gut aus für mich«, ich sammele immer mehr Kontra-Punkte. Es folgt das letzte Argument: »Ihr Kind ist das Beste, was Ihnen in Ihrem Leben passiert ist«, und dies sei der wahre Grund, warum man ein Kind bekommen sollte – »versprochen«! Ich fühle mich besänftigt und das Publikum stimmt applaudierend zu.

Beitragsbild: Mario D. Richardt während der Lesung © Leah Palgan


Die Veranstaltung: Lesung mit Mario D. Richardt. Stadtbibliothek Markkleeberg, 8.6.2018, 19.30 Uhr

Das Buch: Mario D. Richardt: Papa, jetzt bist du Prinzessin! Aus dem turbulenten Alltag eines Vaters. Eulenspiegel Verlag, Berlin 2016, 192 Seiten, 12,99 Euro, E-Book 9,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Leah Palgan

 

 


 

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