Tagträumerei für Zwischendurch

Joyce Winter liest das Auftaktkapitel ihres ersten Jugendromans »Dreamkeeper« und gibt uns einen Vorgeschmack auf Allegras Abenteuer an der Akademie der Träume.

Es ist Buchmesse, Anzugträger neben Anime-Fan, Verlag neben Verlag, Massen an Menschen und noch mehr Bücher. Durch das bunte Treiben irre ich und komme zu spät. Als ich die Lesebude 2 vor mir sehe, ist Joyce Winter also schon in ihre Erzählung vertieft. Zum Glück brauche ich nicht lange, um mich einzulauschen: Wir befinden uns am Anfang des ersten Kapitels von »Dreamkeeper« und die 16-jährige Protagonistin Allegra hat soeben erfahren, dass sie frühzeitig an die »Akademie der Träume« berufen wird, was normalerweise erst mit Eintritt der Volljährigkeit möglich wäre. Kein revolutionärer, aber in sich spannender Aufhänger für eine fantasievolle Geschichte.

© Oettinger Verlag

Leider scheint das anwesende Publikum, Durchschnittsalter etwa gleich der Protagonistin, die aufkommende Spannung nicht wahrzunehmen. Dazu trägt sicherlich die wuselige Messeatmosphäre bei: Nur eine Wand grenzt die »Lesebude« wirklich ein, an der die Autorin und die Moderatorin zwei von fünf Mikrofonen besetzen. Davor verteilt stehen polsterartige Hocker, auf denen sich die Zuhörer in alle Richtungen drapiert haben und der Bühne oft nicht einmal zugewandt sind, während sie essen oder auf ihre Smartphones blicken. Es herrscht ein Grundgemurmel und ich fühle mich an eine Vollversammlung in der Schulaula erinnert. Winter stellt dabei die Rektorin dar; mit ihrer kleinen Brille und einigen sympathischen Versprechern fehlt ihr doch die durchdringende Stimme, die nötig wäre, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen.

Mittlerweile ist das erste Kapitel fast vorüber und Allegra erwacht aus einem Alptraum, welcher ihr so gar nicht wie ihr eigener vorkam. Darin deutet sich schon ein zentraler Handlungsstrang des Romans an, schließlich hat die Protagonistin die Fähigkeit ihres Vaters geerbt, im Geist fremde Träume zu betreten. Diese Fähigkeit macht sie auch so wertvoll für die Akademie, denn einige Traumagenten sind verschwunden und nur mit Allegras Hilfe können diese gerettet werden. Benannt wird das alles jedoch noch nicht und das erste Kapitel endet mit einer bildgewaltigen Beschreibung der aufkommenden Morgendämmerung.

Joyce Winter mit ihrem Werk. © Sophia Meyer

Nun meldet sich auch die Moderatorin Lea Wiebusch von der Verlagsgruppe Oettinger zu Wort und erkundigt sich nach Fragen aus dem Publikum. Ein Mädchen möchte wissen, ob es sich um einen Einzelband oder den Auftakt einer Serie handele. Fans des Buches können beruhigt sein, denn Winter versichert, dass weitere Bände folgen werden. Als sie selbst von der Moderatorin gefragt wird, ob sie früher gern auf ein Internat gegangen wäre, beginnen ihre Augen zu leuchten: »Ich bin mit Enyd Blyton aufgewachsen, damals war das der Hit!« Auch der Themenkomplex Träume habe sie schon immer fasziniert. Offensichtlich sind also verschiedene persönliche Leidenschaften mit in die Geschichte eingeflossen und ich verstehe Winters Begeisterung noch etwas besser.

Schließlich erklärt die Moderatorin die Lesung für beendet und verweist auf einen Tisch, an dem noch Exemplare des Buches gekauft und signiert werden können. Winter strahlt bei der Signierung, nimmt sich Zeit und wünscht ihren Lesern herzlich viel Freude. »Dreamkeeper« ist Joyce Winters erstes Jugendbuch und scheint ihr selbst viel Spaß zu bereiten. Obwohl die Lesung im Messe-Setting leider stark untergegangen ist, bleibt die Autorin eine authentisch begeisterungsfähige Frau und der Roman eine kleine Tagträumerei für Zwischendurch.

Joyce Winter (Mitte) beim Signieren ihres Romans. © Sophia Meyer


Die Veranstaltung: Joyce Winter liest aus Dreamkeeper, Moderation: Lea Wiebusch, Leipziger Buchmesse Lesebude 2, 16.3.2018, 13 Uhr

Das Buch: Joyce Winter: Dreamkeeper. Akademie der Träume. Oettinger, Hamburg 2018, 320 Seiten, 13,00 Euro, E-Book 9,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Sophia Meyer

 


 

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