»Sie müssen leiden«

Laura Kneidl liest auf der Leseinsel Fantasy aus ihrem Roman »Water & Air«.

Das Klima auf der Erde ändert sich, Polkappen schmelzen, es gibt immer mehr Naturkatastrophen. All diese Phänomene sind für uns längst Alltag geworden. Doch was passiert, wenn die Menschheit die Klimaveränderung nicht mehr rechtzeitig in den Griff bekommt und alles Land unter den Meeresspiegel versinkt? Dieses Szenario wählte Laura Kneidl für ihren Roman »Water & Air«.

Die Dystopie ist Kneidls sechstes Buch, neben der Trilogie »Elemente der Schattenwelt« und »Light & Darkness«. Die Handlung ihres neuen Romans dreht sich um die 18-jährige Kenzie. Sie lebt in einer Wasserkolonie, die nach dem Untergang des Landes tief im Meer gegründet wurde. Die Kolonie befindet sich in einer Kuppel, eingeschlossen in den dunklen Tiefen des Ozeans. Jeder Bewohner hat die Pflicht, etwas zur Gemeinschaft beizutragen, damit das System funktioniert. Für Frauen ist das vor allem die Geburt eigener Kinder. Doch Kenzie kann der Kolonie nicht geben, was sie von ihr erwartet, und so beschließt sie, die Kuppel zu verlassen. Sie sucht eine der Luftkolonien auf, die neben denen im Wasser existieren, und versucht dort, neu anzufangen. Schnell merkt Kenzie, dass auch dort nicht alles so wunderbar ist, wie es scheint.

© Carlsen
© Carlsen

Kneidl beschreibt ihre Protagonistin als eine starke, selbstbewusste Frau, die jedoch gleichzeitig »die naive Hoffnung hat, dass alles gut gehen wird«. So macht sich Kenzie blauäugig auf den Weg in die Luftkolonie, obwohl sie keinen blassen Schimmer hat, wie es dort eigentlich aussieht und ob sie dort aufgenommen wird. In der Luftkolonie angekommen, hat Kenzie großes Glück, dass sich der Beauftragte für Sicherheit, Calum, ihrer annimmt.

Die Autorin hat in »Water & Air« eine eigene fantastische Welt erschaffen, die jedoch gar nicht so weit von der heutigen entfernt ist. Auch die Probleme, mit denen die Protagonisten zurechtkommen müssen, sind vielen Menschen in der Realität nicht fern. Als Moderatorin Anke Henke Kneidl fragt, in welcher Lebenswelt sie denn lieber zu Hause wäre, überlegt sie nicht lange: Sie bevorzuge die Luftkolonie, weil sie dort den Himmel, frische Luft und vor allem die Sonne erleben kann.

Während der Lesung schweift der Blick des Publikums immer wieder vom Geschehen auf der Fantasy-Lesebühne ab, da die Unruhe ringsum die Konzentration ziemlich stört. Kneidl versucht durch Mimik, Gestik und ihre laute Stimme, die Zuhörer wieder zurückzuholen. Aber gelingen will es ihr nicht wirklich. Allerdings gewinnt sie die Aufmerksamkeit schlagartig wieder, als die Moderatorin sie fragt, wie sie denn ihren Charakteren solch schlimme Dinge antun kann und ob sie deswegen kein schlechtes Gewissen habe. Kneidl antwortet: »Ein bisschen gemein muss man immer zu seinen Charakteren sein. Sie müssen leiden.«

Beitragsbild: Laura Kneidl (links) und die Moderatorin Anke Henkel (rechts). © Elisabeth Kästel


Die Veranstaltung: Laura Kneidl liest aus Water & Air, Moderatorin: Anke Henkel, Leseinsel Fantasy, 26.3.2017, 11 Uhr

Das Buch: Laura Kneidl: Water & Air. Carlsen Verlag, Hamburg 2017, 476 Seiten, 12,99 Euro, E-Book 11,99 Euro


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Die Rezensentin: Elisabeth Kästel

 


 

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