Sekundärliteratur und platte Gags

Poetry-Slammer Philipp Scharrenberg im Kupfersaal mit seinem Programm »Germanistik ist heilbar«.

Germanistikstudenten haben es nicht leicht. Spätestens seit Bastian Sick und seinem Buch »Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod« sind Germanisten als Korinthenkacker verrufen. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Slam-Poet und Kabarettist Philipp Scharrenberg bei seinem dritten Soloprogramm »Germanistik ist heilbar«. Zwischenzeitlich korrigiert er sogar sein Publikum. Es heißt so, nicht so.

Der ehemalige Germanistikstudent und Gewinner der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschafen macht gleich am Anfang in einem selbstironischen Rap klar: Er wolle »defäkieren mit Anspruch«. Ein Liveabendprogramm »als Selbsthilfegruppe für Geisteswissenschaftler«. Und immer wenn es um sein Germanistendasein geht, ist Scharrenberg am stärksten: Eine Verlade auf Sekundärliteratur bleibt in Erinnerung. Ein Song über Liebesbriefe mit Rechtschreibfehlern auch.

Aber sonst? Der 41-jährige Münchner will auch seine Sicht auf die Gesellschaft darstellen. Und das macht er durchaus wortgewandt – seine Texte und Gedichte sprühen nur so vor Ideenreichtum. Leider rutscht er aber von seinen Themen und vom Duktus in seinen Texten auf eine Ebene ab, die einer Folge »Die Anstalt« gleicht: Da eine Merkelparodie, dort eine Moralkeule für Fleischesser und noch eine Runde gehobener Zeigefinger dazu: Unsere Kinder werden ja immer fetter, was natürlich nur an den dummen Eltern liegt.

Das Ganze garniert mit ein paar platten Gags: Die Bibel als E-Book? Ein Christkindle natürlich. Fertig ist das Scharrenberg’sche Menü. Eher ein mäßiges Frühstücksbuffet in der Jugendherberge als ein Feinschmeckermenü. Den Zuschauern im Kupfersaal ist das egal, auch bei der zweiten Zugabe hören sie nicht auf zu klatschen.

Beitragsbild: Poetry-Slammer und Kabarettist Philipp Scharrenberg. © Pierre Jarawan


Die Veranstaltung: Philipp Scharrenberg und sein Programm Germanistik ist heilbar, Kupfersaal Leipzig, 7.2.2018, 20 Uhr


 

 

Der Rezensent: Paul Materne

 


 

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