Sehr geehrter Herr K.

Der niederländische Autor Herman Koch stellt im Rahmen von Leipzig liest seinen neuesten Roman „Sehr geehrter Herr M.“ vor. Das Werk erschien am 05. März 2015 in Deutschland und wurde vom Kiepenheuer & Witsch Verlag (KiWi) herausgegeben.

Es erzählt die Geschichte eines Schriftstellers namens Herr M., dessen erfolgreichstes Werk auf einer wahren Begebenheit beruht, zwei verliebten Schülern eines Gymnasiums in Amsterdam und eines auf ungeklärte Weise verschwundenen Lehrers dieser Schule. Letztere, Schüler und Lehrer, sind ebenfalls die Protagonisten in dem Buch des Protagonisten Herr M.

Das Buch beginnt damit, dass der Autor M. plötzlich Post von seinem unbekannten Nachbarn erhält, der wichtige Informationen für ihn habe. Informationen, die M.s oben genanntes Bestseller-Werk betreffen..KOCH_COVER

„Ein Volltreffer. Kompositorisch komplexer als die Vorgänger, aber kein Quäntchen weniger spannend. Der Roman birst vor Energie und hat ein Tempo, dass man sich in der 1. Klasse des Thalys wähnt.“ – De Morgen

„Sehr geehrter Herr M. […] spielt virtuos mit den Mitteln und Requisiten des Spannungsgenres“ – Börsenblatt

Am 13. März findet eine Doppellesung mit Volker Kutscher im plan b – Kulturkaffee statt. Herman Koch wird Auszüge aus seinem neuen Werk auf niederländisch vortragen, während Johannes Steck in Kooperation mit dem Argon Verlag die deutsche Übersetzung lesen wird.

Leipzig lauscht hat Herman Koch vorab zum Interview gebeten.

English Version: English Version_Koch

Von Thomas Bernhardt 

 

Sehr geehrter Herr Koch, vielen Dank, dass sie sich die Zeit nehmen, mir ein paar Fragen zu Ihnen und Ihrem neuen Buch „Sehr geehrter Herr M.“ zu beantworten. Zum Einstieg würde ich gerne von Ihnen wissen, wie es eigentlich dazu kam, dass Sie sich entschieden haben, Schriftsteller zu werden?

Ich mochte es schon immer, Geschichten zu erzählen. Auch schon als ich etwa acht Jahre alt war. Ich dachte mir Sachen aus, die in der Schule passiert wären, und erzählte es meinen Eltern. Und Sie glaubten mir das! So begann das alles.

Sie haben ein Jahr lang auf einem Bauernhof in Finnland gearbeitet. Wie kam es dazu? Und hat Sie diese Zeit, diese Erfahrungen, die Sie dort machen konnten, in irgendeiner Hinsicht besonders geprägt?

Zu dieser Zeit versuchte ich mein eigenes „Ich“ zu entdecken, so wie es viele 19-jährige tun. Aber hauptsächlich war es für mich eine Art Aufschub, bis das richtige Leben beginnen sollte. Ich fragte mich, was ich später einmal machen möchte. Studieren oder etwas anderes? Außer dem Schreiben hatte ich keine Idee, wie mein späteres Leben einmal aussehen könnte. Deshalb bin ich zu dieser Zeit, so schnell wie möglich, zu diesem Bauernhof gegangen. Um dort zu arbeiten, abseits von Telefonen oder anderen Kommunikationsmöglichkeiten zur Außenwelt. Man kann sagen, es beeinflusst mich heute noch. Ich suche auch jetzt noch manchmal nach ähnlichen Situationen und Umständen, wie ich sie dort hatte, welche wirklich sehr ideal waren.

Sie sind bzw. waren neben der Schriftstellerei auch als Zeitungs-Kolumnist, Schauspieler, TV-Comedian und TV-Produzent tätig. Inwiefern ist dies heute noch aktuell?

Gar nicht mehr. All diese Dinge sind Vergangenheit. Heute schreibe ich nur noch Romane und reise durch die Welt, nachdem sie übersetzt wurden.

Kommen wir zu Ihrem neuesten Buch. „Sehr geehrter Herr M.“ ist Ihr vierter Roman, der in deutscher Sprache erscheint. Ihre vorherigen Werke waren sehr erfolgreich. Für ihr Buch „Angerichtet“ haben Sie im Jahr 2009 sogar den renommierten niederländischen Literaturpreis „NS Publieksprijs“ erhalten und es stand sieben Monate lang an der Spitze der niederländischen Bestsellerliste. Was erwarten Sie von ihrem neuesten Roman?

Ich hoffe, es trifft den richtigen Ton der deutschen Leser. Es ist ein anderer Roman im Vergleich zu meinen vorherigen drei Werken. In gewisser Weise mein persönlichstes Buch bis jetzt, obwohl es nicht direkt autobiographisch ist.

Wie lange haben Sie an „Sehr geehrter Herr M.“ insgesamt geschrieben?

Insgesamt hat es etwa drei Jahre gedauert.

Aus „Sehr geehrter Herr M.“ stammt folgendes Zitat:

„Es gibt Bücher, in denen der Schriftsteller selbst vorkommt. Als Figur. Oder es kommen Figuren darin vor, die sich mit dem Schriftsteller auseinandersetzen.“(S.33, deutsche Ausgabe) Ist dies bei ihrem aktuellen Werk auch der Fall?

Ja, ich spiele mit der Idee in diesem Buch, aber ich mag diese Art von Romanen eigentlich nicht wirklich. Ich denke, so etwas kann man einmal machen, aber dann ist es auch genug.

Ihr Roman „Angerichtet“ wird derzeit verfilmt. Wie kam es dazu und sind Sie aktuell an der Verfilmung beteiligt? Planen oder wünschen Sie auch für „Sehr geehrter Herr M.“ eine Verfilmung?

Es kommt öfter vor, dass ein Produzent oder Filmemacher an meinen Büchern interessiert ist. Ich selber mag es aber nicht, bei der Verfilmung mit einbezogen zu werden. Ich möchte dem Regisseur so viel Freiraum wie möglich lassen. Sollte sich jemand finden, der meine anderen Bücher verfilmen möchte, wäre das schön, aber ich finde Übersetzungen meiner Bücher viel wichtiger als ihre Verfilmungen. Zum Beispiel ist eine Buchübersetzung in Bulgarien immer noch dein eigenes Buch, eine Verfilmung hingegen sehr wahrscheinlich nicht mehr.

Sie haben das Montessori-Gymnasium in Amsterdam, das auch in ihrem Roman „Sehr geehrter Herr M.“ vorkommt, selbst besucht. Gibt es in Ihrem neuesten Werk auch Figuren, die nicht vollkommen fiktiv sind, sondern die sich an reale, ihnen bekannte Menschen orientieren? Bei denen reale Menschen sogar als Vorlage für den Charakter im Buch dienten?

Ja, auf jeden Fall. Ich verwende jede Person aus meinem Umfeld als Vorlage für die Charaktere, sei es meine eigene Frau, Freunde, ehemalige Lehrer oder andere Autoren. Aber nicht immer zu Einhundert Prozent. Nicht viele von ihnen werden sich in meinem Buch wiedererkennen, aber ich weiß es besser…

Der Protagonist ihres neuesten Werkes – Herr M. – beginnt immer pünktlich um 9 Uhr morgens zu schreiben und offenbart auch andere Marotten – wie z. B. das Bier zur Pause einer Lesung usw. Zum Abschluss des Interviews würde ich gerne noch von Ihnen wissen, ob Sie als Schriftsteller ähnliche Angewohnheiten haben?

Ja, ich mag es, früh am Tag mit dem Schreiben zu beginnen, manchmal um 8 Uhr, andere Male um 10:30 Uhr morgens. Nach zwei oder drei Stunden höre ich dann auf zu Schreiben und versuche, bis zum nächsten Morgen nicht mehr an das Buch zu denken. Und etwa alle zwei Monate lese ich mir alles bis dahin Geschriebene durch, trinke dabei ein Bier oder auch etwas Stärkeres und denke mir „Das ist großartig!“Herman_Koch_copyright_Sebastiaan ter Burg

© Sebastian ter Burg 

Zum Buch: Herman Koch; Sehr geehrter Herr M.; Kiepenheuer & Witsch; 19,99€

Lesung: Freitag, 13. März; 19:30 Uhr; plan b-Kulturkaffee (Härtelstr. 21)

 

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