Sachsen zwischen Natur und Reformation

Auf den Spuren Martin Luthers durch das Land.

Auf 550 Kilometern zieht sich seit 2015 ein neuer Wanderweg durch Sachsen: der Lutherweg. Errichtet wurde er anlässlich des Jubiläums »500 Jahre Reformation« im Jahr 2017 und führt den Pilger nicht nur über schöne Teilstrecken durch die sächsische Landschaft, sondern auch zu den wichtigsten Stationen der Reformation. Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse am 23. März 2017 präsentieren die beiden Autoren Bernd Görne und Andreas Schmidt im kleinen, aber gefüllten Festsaal der ReiseMission in der Jacobstraße ihren Reiseführer »Der Lutherweg in Sachsen«.

»Ausgangspunkt waren die Gespräche mit den Leuten vor Ort«, erklärt Andreas Schmidt die Hintergründe ihrer Arbeit. Während einer langen Vorbereitung reisten die beiden Autoren durch das Land, sprachen mit der Bevölkerung und lernten so hautnah die Wirkungsstätten Martin Luthers kennen. Dabei gelangten sie an »Orte, die vermutlich noch nie einen Touristen gesehen haben«.

Die Frage, warum sie sich diesem Projekt gewidmet haben, beantwortet Bernd Görne so knapp wie ehrlich: »Wir dachten uns, Mensch, du musst doch mal die Region kennenlernen!« Und genau das möchten sie mit ihrem Reiseführer vermitteln: Eine Einladung, Sachsen auf dem Lutherweg einmal von einem anderen Blickwinkel zu erfahren.

Ausgangspunkt des Lutherwegs ist der am südlichen Ausläufer des Naturparks Dübener Heide gelegene Kurort Bad Düben. Von hier durchquert der Weg in südlicher Richtung neben Torgau, Wurzen und Grimma verschiedene andere Kleinstädte und Landschaften, bis er in Zwickau seinen südlichsten Punkt erreicht. In nördlicher Richtung führt er sodann über Altenburg und Leipzig wieder nach Bad Düben zurück. In ihrem reich bebilderten Reiseführer beschreiben Görne und Schmidt die kulturellen Stätten, die der Weg passiert, und geben Einblicke in das Wirken des großen Reformators.

© Evangelische Verlagsanstalt Leipzig
© Evangelische Verlagsanstalt Leipzig

Martin Luther selbst hatte zwar »ein eher differenziertes Verhältnis zum Pilgern«, wie Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich zur Eröffnung des Lutherweg-Projekts betonte. Dessen ungeachtet reiste Luther aber weit umher und war an unzähligen Orten tätig, von denen einige der wichtigsten in Sachsen liegen und nun mit dem Lutherweg verbunden sind. In vielen der am Weg gelegenen Städte wie etwa Torgau, Eilenburg und Zwickau machten sich die Wirkungen der Reformation früh bemerkbar. In Torgau fand außerdem Katharina von Bora, die Ehefrau Martin Luthers, ihre letzte Ruhestätte. Immer wieder erinnert der Weg auch an sie. So führt er unter anderem durch Nimbschen bei Grimma, wo sich das Zisterzienserinnenkloster befand, aus dem Katharina von Bora 1523 mit acht weiteren Klosterfrauen flüchtete.

In den letzten Jahrzehnten hat das Pilgern eine brisante Renaissance erfahren. Zwar ist der heutige Pilger nicht mehr der mit Wanderstab, Gewand und Bibel umherziehende Büßer. Aber neben kulturellen und touristischen Interessen ist das religiöse und historische Moment der Pilgerfahrt für viele noch immer ein ausschlaggebender Grund, sich auf die Reise zu machen. Und wer nicht gleich nach Santiago de Compostela aufbrechen will, dem bietet Sachsen mit seinen weiten Landschaften und schönen Kleinstädten nun diese neue Wandermöglichkeit.

Der »Lutherweg in Sachsen« ist ein übersichtlich gehaltener und informativer Reiseführer mit vielen animierenden Bildern, die Lust machen, in die Wanderschuhe zu steigen und loszulaufen. Um im Vorfeld oder unterwegs mehr als nur eine Karte zu haben, sei er jedem Lutherpilger ans Herz gelegt, der sich über die kulturellen Hintergründe seiner Wanderung erkundigen möchte.

Beitragsbild: Reiseführer: Der Luhterweg in Sachsen. © Kilian Thomas


Die Veranstaltung: Bernd Görne und Andreas Schmidt stellen ihren Reiseführer vor, Moderation: Günter Grünewald, ReiseMission, 23.3.2017, 17.00 Uhr

Das Buch: Bernd Görne und Andreas Schmidt: Der Lutherweg in Sachsen. Entdeckungen im Mutterland der Reformation. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2017, 144 Seiten, 10,00 Euro


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Der Rezensent: Kilian Thomas

 


 

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