Reisewarnung inklusive

Mit Bruno Preisendörfer und der Kutsche in die Goethezeit

Von Stefanie Falck

VLUU L100, M100 / Samsung L100, M100

Ein wenig unsicher betritt Preisendörfer die kleine Bühne. Da es keinen Moderator gibt, beginnt er gleich mit seinem ersten Kapitel. Der Abschnitt „Reisewarnung“ soll den Zeitreisenden auf die Unbequemlichkeiten, den Gestank und den Lärm vorbereiten, der ihm entgegenschlägt, wenn er Goethes Welt betritt. Gespannt lauschen die Hörer. Einige sind jung, andere älter, manche bewusst da, andere spontan dazugestoßen. Letztere stören jedoch sehr und mit dem klappernden Geschirr von nebenan geht die Stimme des Vortragenden oft unter. Es kommt einfach keine entspannte Zuhöratmosphäre auf. Der Autor fördert dies noch zusätzlich durch seine monotone, ausdruckslose Vortragsweise und den seltenen Augenkontakt zu seinem Publikum. Seine Berichte sind eine Kombination aus den Kenntnissen eines Gelehrten und der Darstellungskunst eines Schriftstellers. Es ist beeindruckend, wie Preisendörfer den Sprung von der arbeitsscheuen Magd zum vornehmen Herrn Geheimrat schafft. Leider wird das Lesevergnügen durch die vielen wissenschaftlichen Fakten gestört und man hat Probleme dem roten Faden zu folgen. Nach einigen Kapiteln hat man sich jedoch daran gewöhnt und der Inhalt wird dem Leser zugänglicher.

„So, jetzt guck ich mal, wie die Stimmung ist.“ Nach dem ersten Text blickt er fragend seine Zuhörer an – möchten sie sich vielleicht äußern? Aber das Publikum schweigt. Ein zweiter Versuch: Ein wenig unbeholfen lässt er die Wahl, was er nun lesen soll. Da das Publikum wieder stumm bleibt, entscheidet er selbst. So ging die Möglichkeit verloren, die Atmosphäre der Lesung aufzulockern.

Es folgt ein Text über eine unbekannte Seite Goethes. Er stellte seiner Köchin ein Entlassungszeugnis aus, wie es die damalige Polizeiordnung verlangte. Da es größtenteils auf ihre schlechten Angewohnheiten hinwies, zerriss sie es wütend.

Am Ende erklärt der Autor, dass sein Buch ein reflektierendes Erzählen der damaligen Strukturen sei und keinesfalls ein Roman, wie man vielleicht denken könnte. Mit einem sympathischen Lächeln beendet Preisendörfer die Lesung, die der Qualität des Buches in keinem Fall gerecht geworden ist.


Buch: Bruno Preisendörfer, „Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit“     Galiani Berlin, 24,99€

Lesung: Forum Hörbuch + Literatur Halle 3 Stand B500, 12.3.2015, 16:00 Uhr

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