Probleme eines Großindustriellen

Der Berliner Poetry-Slamer Ahne liest auf der langen Nacht der Lesebühnen.

Der Poetry-Slamer Ahne © Tim Jockel

»Könnt ihr uns sagen, wie die Veranstaltung heißt, die gleich hier stattfindet?« Schon vor Beginn der langen Nacht der Lesebühne merkt man, dass die Leipziger Buchmesse auch Leute anzieht, die sonst nicht auf Poetry-Slams vertreten sind. Die zwei älteren Damen vor uns sind nur zwei von vielen. Das Publikum ist sehr gemischt und das UT Connewitz bis auf den letzten Platz gefüllt. Als die vier Autoren, die den Abend gestalten werden, auf die Bühne kommen, gibt es lauten Applaus. Und schon beim ersten Geplänkel zwischen den Poetry-Slamern zeigt sich, dass es verspricht, eine lustige Veranstaltung zu werden.

© Verlag Voland & Quist

Ahne, Poetry-Slamer aus Berlin, trägt seinen ersten Text über Großindustrielle vor. Auf ironische Weise bemitleidet er die armen Unternehmer, auf deren Schultern so viel Verantwortung liege. Er will unter keinen Umständen einer von ihnen werden. Der Text ist durch seine ironische Art unterhaltsam, dennoch ist die Kritik deutlich herauszuhören. Ahnes zweiter Text ist aus seiner bekannten Reihe »Zwiegespräche mit Gott«. Darin greift er das Thema sexuelle Belästigung und die »me-too-Kampagne« auf. Das Gespräch entwickelt sich in eine seltsame Richtung, weil der Ich-Erzähler gerne einen sexistischen Witz erzählen möchte, doch Gott dies als ein Tabu ansieht. Am Ende bricht das Gespräch abrupt ab. Auch sein musikalisches Talent zeigt Ahne. Der Titel des Liedes »Meckern auf hohem Niveau« scheint etwas unpassend, nachdem zuvor Svenja Gräfen ihren Text über Feminismus beendet hat. Doch dieser Zufall sorgt für viele Lacher im Publikum und auf der Bühne.

Auch die Texte von Julius Fischer, Volker Surmann und Svenja Gräfen kommen super beim Publikum an. Jeder der Poetry-Slamer hat seinen ganz eigenen Stil und bringt andere Aspekte in den Abend. So singt Julius Fischer zwei seiner Lieder, während Volker Surmann als Sportmoderator die Menge zum Kochen bringt und Svenja Gräfen mit ihren ernsten Texten für einen kurzen Moment der nachdenklichen Stille sorgt. Somit war die lange Nacht der Lesebühnen doch nicht so lang, sondern eine unterhaltsame Veranstaltung, die die Buchmesse zu einem schönen Abschluss gebracht hat.

Beitragsbild: Der Poetry-Slamer Ahne am Mikrofon. © Elisabeth Kästel


Die Veranstaltung: Ahne liest auf der langen Nacht der Lesebühnen, Mitwirkende: Julius Fischer, Svenja Gräfen, Volker Surmann und Ahne, UT Connewitz, 18.3.2018, 20 Uhr

Das Buch: Ahne & Sedlmeir mit Mareike Hube: Rache! Ein Kriminal-Musical. Dresden 2018, 65 Minuten, 15 Euro


 

 

Die Rezensentin: Elisabeth Kästel

 

 


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