Plädoyer für eine offene Gesellschaft

Jasna Zajček und Jan Feddersen über investigativen Journalismus.

© Droemer Knaur
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Big Brother is watching you. Eindringlich blickt ein Abbild Deniz Yücels in die Menge. Mit dem Aufruf #FreeDeniz kämpft die »taz« für die Freilassung des in der Türkei inhaftierten Journalisten. Autorin Jasna Zajček und Moderator Jan Feddersen beginnen mit einigen Anekdoten aus den Jahren der Zusammenarbeit mit ihrem ehemaligen Kollegen. Sie kämpfen dafür, dass er nicht vergessen wird.

In ihrer Sozialreportage »Kaltland: Unter Syrern und Deutschen« skizziert Zajček eine Gesellschaft der Ablehnung. In der Nähe von Bautzen unterrichtet sie Deutsch in einer Einrichtung für Asylsuchende. Parallel schleust sie sich unter einem Pseudonym in rechte Gruppierungen ein. Zajček berichtet im Gespräch mit Feddersen über die schwierige Situation auf beiden Seiten. Sie zeigt die Problematik und berichtet über beiderseitige Verständigungsprobleme.

Jasna Zajček. © Falko Siewert
Jasna Zajček. © Falko Siewert

Es sind die Gegensätze, die polarisieren. Der Sachse versteht nicht, warum die arabische Frau einen Hidschāb trägt. Auf der anderen Seite herrscht Unverständnis über die Altersarmut und den damit verbundenen Groll gegen das Fremde. Klar ist nur, dass in der sächsischen Einöde zwei grundverschiedene Welten aufeinanderprallen. Zajček erzählt von Geflüchteten deren größter Traum es ist, im Ruhrpott als Chauffeur zu arbeiten. Im selben Atemzug spricht sie über Erfahrungen beim AfD-Stammtisch und mit Pegida.

Die Schicksale der betroffenen Personen spielen in Zajčeks Reportage eine besondere Rolle. Der syrische Student, dem auf der Flucht sämtliche Qualifikationen für den Anwaltsberuf verloren gegangen sind, existiert neben dem jungen Sachsen, der in der Kneipe lautstark die Gründung einer Bürgerwehr und den Einsatz von Kampfhunden fordert.

»Kaltland« ist eine ungewöhnlich authentische Sozialreportage und ein herausragendes Arbeitszeugnis für investigativen Journalismus. Vor allem aber handelt es sich um ein Statement. Es braucht guten Journalismus, um alle Seiten einer Medaille aufzuzeigen. Ein Journalist muss mit Gefahren und Anfeindungen leben können, das gehört zum Beruf. Dennoch ist jeder Tag, an dem ein Reporter aufgrund seiner Berichterstattung im Gefängnis sitzt, ein Verbrechen an der Demokratie – #FreeDeniz!

Beitragsbild: Jan Feddersen (links) im Gespräch mit Jasna Zajček (rechts). © Julian Dikall


Die Veranstaltung: Jasna Zajček – Kaltland: Investigative Recherchen in Asylbewerberheimen, bei Pegida und der AfD, Moderation: Jan Feddersen, taz.studio, 24.3.2016, 10.30 Uhr

Das Buch: Jasna Zajček: Kaltland: Unter Syrern und Deutschen. Droemer Knaur, München 2017, 256 Seiten, 19,99 Euro, E-Book 17,99 Euro


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Der Rezensent: Julian Dikall


 

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