Pfandflaschenautomaten, Sex und vieles mehr

Christian Bosse und Ulrike Gastmann lesen unter anderem aus ihrem Buch »Das Kamasutra des Mulls« im Café Telegraph.

Gedämpftes Licht verleiht dem Kellergewölbe des Cafés Telegraph eine einladende Atmosphäre. Um 18 Uhr betritt Christian Bosse die Bühne – und versucht erst mal seine Kollegin Ulrike Gastmann auf die Bühne zu holen: »Frau Gastmann bitte auf die Bühne, Frau Gastmann bitte.« Diese begrüßt ihn mit den Worten, er sei »der Ryan Gosling Leipzigs«.

Der Saal ist brechend voll. Das bemerken auch die Autoren. Auf der Bühne stehen zwei unbenutzte Stühle, man könne sich auch neben sie setzen, bemerkt Gastmann. »Mein rechter, rechter Platz ist frei. Ein altes Lieblingsspiel der AFD.« Immer wieder werden politische Witze gemacht. Als ein paar Menschen den Saal frühzeitig über die Treppe nach draußen verlassen, bezeichnet Bosse diese als »Mittelmeerroute«.

Der erste Text, den Ulrike Gastmann vorträgt, handelt von Peter Maffay. Sie ist kein Fan von ihm, das fällt auf. Sie zitiert zunächst verschiedene Prominente, unter anderem Helge Schneider, der Maffay als »Muräne aus Muränien« bezeichnete. Gastmann drückt sich da schon etwas eleganter aus, Maffay sei »Der beste Gutmensch – der Bestmensch.« Grund für ihre Aussage ist Maffays Engagement für Flüchtlinge.

Nun aber endlich zu den bereits im Titel der Veranstaltung beworbenen Pfandflaschen beziehungsweise Pfandflaschenautomaten. Bosse mag sie nicht sonderlich. Wobei das Einzige, was dem Hörer von diesem Text hängen bleibt, ist, dass diese Automaten fürchterlich nach Bier stinken. Zu schnell wechselt das Thema zu Vibratoren. Es folgt eine Stunde mit vielen verschiedenen Anekdoten zu Integration oder auch dem Bekannten Gastmanns namens Rüdiger, der als Lehrer an einer Berufsschule arbeitet und mit seinen Bäckereiauszubildenden Literaturverfilmungen anschaut, die vom Namen her an ihren Beruf erinnern, wie z.B. »Der Fänger im Roggen«. Dann gibt es eine zehnminütige Pause, in der die Zuschauer mit den Autoren ins Gespräch kommen.

Schließlich greift Bosse zu dem Buch »Das Kamasutra des Mulls«. Er erzählt von einem Pflegeheim für Schlagersänger mit dem Titel »Atemlos«. Ja, der Name ist angelehnt an den nervigen Dauerbrenner von Helene Fischer. Bosse erklärt, er sei Schlagerfan. Glauben kann man das nicht. Er scheint nicht nur etwas gegen Schlager zu haben, auch Popsänger Xavier Naidoo, laut Bosse »eine Mischung zwischen Sido und Pavarotti auf Valium«, und Herbert Grönemeyer sind Bewohner dieses Pflegeheims. Bosse erzählt, Helene Fischers Manager hätte sie eingeladen, das Heim zu besichtigen. Die Gäste dürften dieses allerdings nur mit geräuschabweisender Schutzkleidung betreten. Im Heim liefen ihnen neben Naidoo und Grönemeyer noch Wolfgang Petry und Roland Kaiser über den Weg. Nebenbei personifiziert Bosse Andrea Berg, die mittlerweile nicht mehr ganz so jung ist, als Wichsvorlage für alte Knacker, in diesem Fall Roland Kaiser.

Nach fast zwei Stunden Passivrauchens, schallendem Gelächter, bitterbösem Humor und großer Unterhaltung schicken die Autoren mit einer Runde Hochdeutsch – Sächsisch die Besucher nach draußen ins nächtliche Leipzig.

Beitragsbild: Christian Bosse und Ulrike Gastmann © Annika Sparenborg


Die Veranstaltung: Christian Bosse und Ulrike Gastmann: Des Bückens Unterpfand – Satirische Gedanken über Hymnen, sexuelle Stellungnahmen und Pfandflaschen, Café und Restaurant Telegraph, 25.3.2017, 18 Uhr

Das Buch: Christian Bosse und Ulrike Gastmann: Das Kamasutra des Mulls. Kolumnen 2007 –2015. 2016, 228 Seiten, E-Book 12,99 Euro


Annika Leipzig liest1

 

 

 

Die Rezensentin: Annika Sparenborg


 

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