Peggy Patzschkes Perlen-Progress

Manchmal führt das Leben an neue Ufer. Die Moderatorin Peggy Patzschke feiert auf einer Lesung zur Leipziger Buchmesse mit ihrem Buch »Das Muschelprinzip« den Neuanfang, für den in jedem Alter Zeit sein sollte.

Mitten auf dem winterlichen Marktplatz spielt ein junger Mann Klavier, als ich zu Lehmanns Buchhandlung stapfe. Dort geht es ähnlich musikalisch zu, denn die Funk- und Fernseh-Moderatorin Peggy Patzschke hat zu ihrer Lesung auch einen Gitarristen mitgebracht. Es ist Uli Singer, der an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig unterrichtet, schon mit dem MDR-Sinfonieorchester zusammengearbeitet hat und … – ach, eigentlich ist er wohl der beste Gitarrist der Welt, wie Patzschke auch während der Lesung mehrmals betonen wird. Ich ergattere den letzten freien Platz in der ansonsten reservierten zweiten Reihe, auch ganz vorn sollen nur bestimmte Menschen sitzen. Die Autorin (weißer Blazer, elegante Locken, Perlenkette) begrüßt jeden von ihnen persönlich: Ihre Eltern sind gekommen, außerdem weitere Verwandte und Freunde. Da Patzschke in Leipzig geboren wurde und auch heute noch hier lebt, verwundert das nicht.

© S. Fischer Verlag

Eigentlich wollte die Autorin zu Anfang ein Video zeigen, doch die Tontechnik funktioniert nicht. Vor videofreier Wand, aber mit gleichbleibend guter Laune seitens Peggy Patzschkes beginnt die Lesung schließlich mit ihrer Erklärung des »Muschelprinzips«. Mit Mitte 40, ihrem Traumberuf in der Tasche, einem Sohn im Nebenzimmer und vielen bereits erreichten Zielen wacht sie eines Morgens auf und fühlt – nichts. Die Lebensenergie verpufft, der Alltag stressig und immer gleich, kein Platz für ihre eigenen Gedanken und Träume. Bei einem Aufenthalt am Meer kann sie schließlich ein wenig nachdenken und stolpert dabei über eine kleine Muschel. Die stößt folgenden Gedanken in ihr an: Was, wenn diese anstrengende, inspirationslose Phase in meinem Leben mit der Zeit vergleichbar ist, die eine Muschel braucht, um ihre Perle zu bilden?

Daraufhin steigt Peggy Patzschke aus. Sie verzichtet für längere Zeit auf ihr Gehalt und besucht stattdessen Menschen, die von neu entdeckter Lebensfreude extrem viel Ahnung zu haben scheinen. Da sind Walter Kohl, der Sohn des Altkanzlers, Barack Obamas Halbschwester Auma Obama, Til Schweiger (der den Verkaufszahlen des Buches vielleicht gar nicht so gut tun wird), der Paralympicssportler Florian Sitzmann und viele andere. Diese »Inspiratoren« machen das Buch zu einer Sammlung verschiedenster Lebensperspektiven und Tipps. »Liest sich wie eine Sammlung spannender Kurzgeschichten«, schreibt eine Leserin auf Amazon.

Und die Autorin selbst ist mit ihren Gedanken natürlich auch immer präsent. Bei der Lesung spielt Patzschke alles aus, was sie als Moderatorin gelernt hat, und versteht es, das Publikum in verschwörerischem Ton für sich einzunehmen. Als sie in Begleitung von Uli Singer auch noch ein flottes Lied anstimmt und zwei Tamburins ins Publikum reicht, kann man wirklich nicht mehr von einer Wasserglaslesung sprechen. Überhaupt wirkt die Autorin kein bisschen wie die resignierte Frau, die sie nach eigener Aussage am Anfang ihres »Abenteuers« war. Die Perle scheint fertig zu sein.

Beitragsbild: Uli Singer (links) und Peggy Patzschke (rechts) in der Lehmanns Buchhandlung Leipzig. © Alexandra Huth


Die Veranstaltung: Peggy Patzschke liest aus »Das Muschelprinzip«, Lehmanns media, 17.3.2018, 20.15 Uhr

Das Buch: Peggy Patzschke: Das Muschelprinzip. Eine außergewöhnliche Reise zu den Schätzen in dir. Frankfurt am Main, S. Fischer 2018, 416 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 12,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Alexandra Huth

 


 

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