Nicht für jeden geht Migration glimpflich aus…

Ein Interview mit dem Verleger Sewastos Sampsounis vom Größenwahn Verlag.

Die Messehalle 5 ist am Donnerstag der Buchmesse quirlig und laut. In dieser Geräuschkulisse lädt das Forum der Unabhängigen um 17 Uhr zur Lesung von Miriam Günters Jugendroman »Die Stadt hinter dem Dönerladen«. Doch die Autorin selbst kann nicht da sein – sie ist krank.

Stattdessen sitzen auf der Bühne nun der Verleger und Betreiber des Café Größenwahn in Frankfurt Sewastos Sampsounis und eine Mitarbeiterin der Kurt-Wolff-Stiftung. Sie sprechen kurzerhand über den Roman sowie Migration und Flucht in Deutschland. Sampsounis, selbst Sohn von griechischen Gastarbeitern, erzählt über seine Jugend zwischen Deutschland und Griechenland, seine Arbeit als nicht-deutschstämmiger Verleger in Frankfurt und die Problematik der Integration oder auch gerade der Nicht-Integration: Viele Gastarbeiter hätten damals gar nicht in Deutschland bleiben wollen und sich deshalb nicht großartig um Integration bemüht. Doch für Sampsounis kommt es anders und er verbringt ein Leben zwischen griechischen Wurzeln und der neuen Heimat Deutschland: »Stellen Sie sich vor, ich habe griechisches Abitur mit Deutsch als Fremdsprache hier in Deutschland gemacht.« Was unglaublich klingt, sei für viele Kinder der Gastarbeiter-Generation normal gewesen – und so bleibt das Gefühl der Fremde in einem Land, das dann doch Heimat werden sollte. Diese Integrationsgeschichte hat aber genau wie das spontane Interview an diesem Tag ein Happy End: »Auch wenn meine Eltern nicht viel Deutsch verstehen, zu Weihnachten gibt es einen echten Tannenbaum und Rinderbraten mit Kartoffelbrei«, sagt Sampsounis abschließend.

die-stadt-hinter-dem-doenerladen-cover-281x400Doch nicht für jeden geht Migration glimpflich aus. Das Buch »Die Stadt hinter dem Dönerladen« thematisiert die Illegalität in Deutschland. Leider wird aufgrund der Abwesenheit der Autorin der Roman nur kurz besprochen: Er erzählt die Geschichte der 15-jährigen Nicki, die mitten in der Pubertät steckt und ein etwas schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter hat, die selbst nicht so ganz erwachsen werden will. Bis hierhin also eigentlich ganz normal. Doch dann lernt Nicki den liebenswerten, wenn auch widersprüchlichen Deco kennen. »Er sei nicht am Leben«, wiederholt der Junge immer wieder und erst schrittweise zerfällt die »heile Welt« für Nicki und das Puzzle fügt sich zusammen: Deco ist illegal in Deutschland und könnte jederzeit auffliegen. Sie erfährt zum ersten Mal, was es heißt, das ihr vertraute Leben zu fürchten – für Deco.

Mirijam Günter, in Köln und weiteren Städten Deutschlands aufgewachsen, ist Autorin und bietet seit 2006 Literaturwerkstätten für benachteiligte Kinder an. Für ihren Debütroman „Heim“ erhält sie 2003 den Oldenburger Kinder- und Jugendpreis.


Die Veranstaltung: Sewastos Sampsounis spricht in Vertretung der Autorin Mirijam Günter über Migration und Flucht in Deutschland, Leipziger Buchmesse, Halle 5, Stand H309, 17.3.2016, 17.00 Uhr

Das Buch: Mirijam Günter: Die Stadt hinter dem Dönerladen, Frankfurt am Main 2015, 253 Seiten, 17,40 Euro


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Die Rezensentin: Juliane Gerstenberg

 

 


 

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