Neuseeland lockt die Menschen

Rolf Knütter präsentiert auf dem Forum Sachbuch Halle 3 seinen neuen Wanderführer über Neuseeland.

Die Powerpoint-Präsentation steht auf Punkt 1: »Was steckt drin.« Rolf Knütter liest die Unterpunkte seiner Gliederung vor, unter anderem: »insgesamt 29 Tracks« und »Geheimtipps«. Er sitzt als einer von zwei Autoren des Wanderführers über Neuseeland allein auf dem Podium. Neuseeland sei ein spannendes Thema, da wären die vielen Besucher kein Wunder, lautete die Begrüßung an das Publikum, das sich im Forum Sachbuch zusammendrängt. Das Buch, so sein Autor, solle die Begeisterung widerspiegeln, die einem beim Wandern in diesem faszinierenden Land überkommt.

© MANA-Verlag

Doch von Begeisterung fehlt in Knütters Vortrag erst einmal jede Spur. Nach dem Gliederungspunkt 1 zeigt Powerpoint das Inhaltsverzeichnis sowie die Trackübersicht mit den Wanderrouten. »Alle Infos auf einen Blick«, kommentiert Knütter. Die Schrift ist auf dem Bild des Beamers kaum zu entziffern.

Weiter geht es mit einer kurzen Vorstellung einiger Routen, die sich schwerpunktmäßig auf der Südinsel Neuseelands befinden. Knütter zeigt eine Auswahl vom familienfreundlichen Rundweg bis hin zum mehrere tausend Kilometer langen Fernwanderweg. Die Strecken führen durch schwieriges, einzigartiges sowie abwechslungsreiches Gelände, vorbei an klaren Bergseen, Vulkanen und durch tiefsten Urwald. Manchen gibt hüfthoher Schlamm erst ihren Charme.

Hier liest Knütter nun einige Sätze vor, leider nur kurz und monoton. Schon geht es weiter mit dem nächsten Punkt der Gliederung: »Geheimtipps.« Der Autor stellt die kleine Insel Stewart Island vor, direkt vor der Südinsel gelegen. Sie sei nicht besonders groß, nur von ungefähr 400 Menschen bewohnt. Ihre Besonderheit bestehe darin, dass die wenigsten Touristen sich hierher verirrten und gleichzeitig noch das ursprüngliche Erscheinungsbild Neuseelands vorhanden sei. Bei Ankunft der Europäer war das Land komplett bewaldet, heute sieht man dort »vor allem grüne Hügel, was aber auch ganz schön ist«. Auf Stewart Island sei der Wald noch wie damals.

Etwas verwirrend während des Vortrags ist Knütters synonymer Gebrauch des Begriffs »Kiwi«, für die Einwohner Neuseelands einerseits und die gleichnamigen Tiere andererseits, jedoch ohne Erklärung: »Lustige Kiwi-Installationen im Wald. Wie dieses alte Telefon am Baum, das ist echter Kiwi-Humor.« Oder »Ein nahrungssuchender Kiwi wackelt über den Weg.«

Zum Abschluss wird eine Fotoshow mit Musik abgespielt. Die Bilder sind durchweg schön und stimmig ausgewählt, sie demonstrieren, weshalb sich ein so großes Publikum für Neuseeland interessiert und warum das Wandern dort für Begeisterung sorgen kann.

Ein solches Gefühl löst Rolf Knütters Präsentation allerdings nicht aus, wenn er nüchtern die Neuerungen der dritten Auflage des Wanderführers vorstellt. Darunter sind fünf neue Wanderrouten und die Kennzeichnung der familienfreundlichen Wege mit einem entsprechenden Symbol. Das trockene Referat stellt den aktualisierten Wanderführer akkurat vor. Aber zur Begeisterung des großen Publikums von den einzigartigen Gegebenheiten des Landes hätte das ansprechend gestaltete Buch dennoch deutlich mehr Potenzial geboten.

Beitragsbild: Der Reiseführer »Wandern in Neuseeland«. © Konrad Bunk


Die Veranstaltung: Die Wanderprofis Rolf Knütter und Christian Ziglowski erzählen von ihren Erfahrungen in Neuseeland, Forum Sachbuch Halle 3, 18.3.2018

Das Buch: Rolf Knütter u. Christian Ziglowski: Wandern in Neuseeland. Mana Verlag, Berlin 2018, 19,95 Euro


 

 

Der Rezensent: Konrad Bunk

 


 

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