Nachts, weit von hier

Ulrike Schäfer liest aus ihrem Erzählband im Stein Café.

Die letzten Strahlen der Abendsonne fallen durch die großen Fenster des Stein Cafés am Leipziger Markt. Gesprächsfetzen vermischen sich mit dem Geräusch klappernden Geschirrs und dem Brummen einer Kühltruhe, in der verschiedene Eissorten zur Auswahl stehen. Ein gutes Dutzend Gäste hat sich um die Tische im hinteren Teil des Cafés versammelt, die Bedienungen wuseln zwischen den Plätzen umher und servieren die vorerst letzten Getränke, während die Autorin Ulrike Schäfer darauf wartet, mit der Lesung zu beginnen.

»Ich musste erst ein Buch schreiben, um hier her zu finden«, gesteht die Würzburgerin lachend, als sie den Abend eröffnet. Auf der Buchmesse sei sie bisher noch nie gewesen, freue sich aber unglaublich auf die nächsten Tage. Ihr Messedebüt verdankt sie ihrem literarischen Erstlingswerk, dem Erzählband »Nachts, weit von hier«. Anfängerhaft sind jedoch weder ihr Schreibstil, noch die vorgestellten Protagonisten. Schäfer kreiert in den achtzehn Geschichten eine melancholische und gefühlvolle Atmosphäre, die geprägt ist von der Angst, dem Verlust und der Schuld ihrer Charaktere. Vieles spielt sich zwischen den Zeilen ab, so dass man beim Lesen gelegentlich Innehalten und das Erzählte auf sich wirken lassen sollte.

Parallel zur Lesung läuft im Hintergrund der normale Geschäftsbetrieb im Stein Café weiter. Die Bedienungen bereiten Wraps, Salate und überbackene Ciabatta-Brote zu, die von der Bar aus verteilt werden. Passend zum Ambiente spielt sich »Pralinenmann«, die erste vorgetragene Geschichte, im Wesentlichen in einem Café ab. Nach einer kurzen Pause stellt Schäfer zwei weitere Geschichten vor. »Nachts, weit von hier«, die dem Erzählband seinen Namen verleiht und »Gelika entdeckt die Liebe«. Bei Kräutertee, Cappuccino oder heißer Milch mit Honig lauscht das Publikum dem Vortrag, während es vor den Fenstern langsam dunkel wird.

»Schon als Kind habe ich allen erzählt, dass ich Schriftstellerin werden will und bin dann folgerichtig Softwareprogrammiererin geworden«, erwähnt Schäfer zwischendurch. Trotzdem habe der Drang zu Schreiben sie in all den Jahren nie verlassen, so dass sie heute als freie Autorin und gleichzeitig als Webdesignerin tätig sei.

Nach etwas mehr als einer Stunde endet die Lesung mit Applaus. Einige Gäste nutzen sowohl die Gelegenheit, ein Exemplar des Erzählbandes zu erwerben, die an einem Nachbartisch von einem jungen Mann mit Hosenträgern verkauft werden, als auch die Möglichkeit, mit der Autorin kurz persönlich zu plauschen.


Die Veranstaltung: Ulrike Schäfer liest aus Nachts, weit von hier, Stein Café, 17.3.2016, 18.00 Uhr

Das Buch: Ulrike Schäfer: Nachts, weit von hier. Erzählungen. Klöpfer & Meyer, Tübingen 2015, 184 Seiten, 20,00 Euro, E-Book 14,99 Euro


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Der Rezensent: Tim Reischke

 


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