Nach dem Abi, vor dem wahren Leben

Ulla Scheler liest aus ihrem Debütroman »Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen«.

Liebe, Schmerz, Verlust und die einzigartig mitreißende Freundschaft zwischen Protagonist und Protagonistin begleiten mich auf meinem Weg in die Leipziger Stadtbibliothek. In Gedanken bin ich schon wieder bei Ben und Hanna, die für mich eine der lebendigsten und wunderbarsten Verbindungen zwischen zwei Menschen verkörpern. Die Vorfreude und Euphorie steigt ins Unermessliche.

Fernab meiner Gedanken begrüßt mich der helle erquickliche Lesesaal der Bibliothek – nicht sehr groß, trotzdem mit genug Platz für die beträchtliche Menge an jugendlichen Besuchern, die auf kunterbunt-zusammengewürfelten Stühlen Platz nehmen kann. Drei Schulklassen sitzen gemeinsam mit mir im Publikum. Die Autorin hat ihren Platz an einem kleinen Tischchen vor uns und grinst strahlend in die Runde. Es scheint, als freue sie sich ganz besonders über das vorwiegend junge Publikum.

Ulla Scheler selbst ist 22 Jahre alt, arbeitete nach ihrem Abitur in einem Krankenhaus, beim Fernsehen und in einem marokkanischen Hotel. Danach studierte sie Psychologie, vermisste aber den Umgang mit Medien. Sie wechselte zum Studiengang Informatik. »Es macht mir wirklich Spaß, und ich kann es jedem empfehlen, der darüber nachdenkt.“ Bücher spielten für sie schon immer eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Im Alter von 16 Jahren begann sie bereits mit der Arbeit am Buch »Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen«. Durch eine Freundin fand sie einen Agenten, der sie an die Verlagsgruppe Random House vermittelte und den Weg zur Arbeit mit Heyne fliegt ebnete.

Ihr zuzuhören macht wirklich Spaß. Sie liest nicht viele Passagen, trotzdem macht sie die Zuhörer neugierig, kitzelt Fragen aus ihnen heraus. Mit leichten Unruhen im Publikum kommt sie gut zurecht, reißt Witze und holt jeden mit abschweifenden Gedanken wieder zu sich. Die Bitte »Kannst du bitte noch etwas lesen?« belegt das deutlich.

Lächelnd erzählt sie von Ben und Hanna, zwei Freunde auf der Suche nach dem wahren Leben, dem Leben nach dem Abitur. Möglicherweise dem Leben ohne einander? Es geht um Zukunftsängste, Abenteuerlust, Risikobereitschaft. Auf einem Trip ans Meer fordert Ben Hanna heraus, konfrontiert sie mit genau diesen Dingen, treibt sie in den Wahnsinn und holt sie mit einem frechen Grinsen wieder heraus.

Es gibt nur wenige Parallelen zu ihrem Leben, äußert die Autorin. Einzig und allein eine Szene baut auf ein Ereignis ihrer Jugend auf. Welche dies ist, verrät sie leider nicht. Das Ende des Romans beschreibt sie schmunzelnd als »traurig, aber irgendwie auch gut«. Eine Fortsetzung möchte sie nicht schreiben. »Die Geschichte ist für mich abgeschlossen, auch wenn ich weiß, dass viele Leute anderer Meinung sind«.

Beitragsbild: Ulla Scheler beim Signieren. © Elisa Jankowski


Die Veranstaltung: Ulla Scheler liest aus Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen, Stadtbibliothek Leipzig, 23.3.2017, 11 Uhr

Das Buch: Ulla Scheler: Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen. Heyne fliegt, München 2016, 368 Seiten, 14,99 Euro, E-Book 9,99 Euro


Elisa Jankowski_79451_assignsubmission_file_Jankowski_Profilbild_2016-11-06

 

 

Die Rezensentin: Elisa Jankowski

 


 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.