Mythos zwischen Fiktion und Wirklichkeit

Heinz-Joachim Simon liest aus seinem neuen historischen Roman »Che«.

Es ist schon recht spät am Donnerstagnachmittag, als sich gegen 17 Uhr ein kleines Publikum im Literaturforum der Leipziger Buchmesse einfindet. Heinz-Joachim Simon, unter anderem durch den Krimi »Der Schrei der Zypressen« bekannt, stellt seinen neuen historischen Roman vor. Der Titel »Che. Der Traum des Guerillero« lässt unweigerlich auf eine weitere Biografie über Ernesto Guevara de la Serna alias Che schließen. Dem ist aber nicht so, denn Simon versteht es ausgezeichnet, dem berühmten Revolutionär einen Protagonisten an die Seite zu stellen und somit Realität und Fiktion miteinander verschmelzen zu lassen.

Im Roman geht es um den freien Journalisten Marc Mahon, der von einem bekannten Zeitungstycoon den Auftrag erhält, seinen alten Jugendfreund Che aufzuspüren. Dieser scheint wie vom Erdboden verschluckt, und alle Welt rätselt über sein Verschwinden. Auch das Gerücht über seinen angeblichen Tod steht im Raum. Marc begibt sich auf die Suche, und ein großes Abenteuer durch Vergangenheit und Gegenwart beginnt. Auf Kuba bekommt er von niemand anderem als Fidel Castro persönlich den entscheidenden Tipp: Che ist in Bolivien.

© Acabus Verlag
© Acabus Verlag

Simon liest dem Publikum zwei Textstellen vor, die entscheidend für die Handlung der Geschichte sind. Zunächst den Anfang, als sich Marc an seine Jugend erinnert, die er mit Che verbracht hat. Er versucht ein Bild zu vermitteln von diesem Mann, der Mythos einer ganzen Generation war, den er aber damals noch als Ernesto kennenlernte. »Denn er, Che, wollte keine Länder erobern, sondern menschliche Seelen verwandeln.« Auch an anderen Stellen wird Guevara indirekt beschrieben, etwa im Gespräch des Journalisten mit seinem Auftraggeber. Dieser sagt von seinem Weggefährten: Alle die ihn kennenlernten, hätten ihn für den reinsten Menschen gehalten, den sie je kannten – und dass trotz der Revolution und seiner Taten. Dem Zuhörer wird spätestens hier bewusst, dass Simon die beeindruckende Persönlichkeit Che Guevara im Roman anschaulich wiedererstehen lässt.

Bei der zweiten Szene handelt es sich um die letzte, in der Che im Buch vorkommt. Simon schildert den letzten Kampf in den Bergen Boliviens, bei dem der Aufstand der Guerilleros niedergeschlagen wird. Marc und Che werden verwundet und anschließend gefangen genommen. In der Gefangenschaft wird Guevara verhört, und Simon schildert seine Beharrlichkeit: »Sie können ihn nicht brechen. Er blieb Che Guevara und so wie sich ihn die ganze Welt vorstellte.« Indem er die historischen Fakten und die Motive der Beteiligten ausschmückt, beschreibt der Autor in der letzten Szene des Kapitels schließlich den Tod des Revolutionärs, der auf den Befehl des bolivianischen Präsidenten zurückging.

Simon gelingt es mit den Passagen, die Zwiespältigkeit der Persönlichkeit Che Guevaras fiktiv darzustellen. Der Zuhörer empfindet einerseits Sympathie mit einem Mann, der voller Ideen und Ideale war und gegen den Imperialismus und Kapitalismus kämpfte, auf der anderen Seite bleibt ein Gefühl von Abscheu vor einem Mann, der für seine Träume Menschenleben opferte.

Beitragsbild: Heinz-Joachim Simon stellt »Che. Der Traum des Guerillero« vor. © Sarah Kruschner


Die Veranstaltung: Heinz-Joachim Simon liest aus Che. Der Traum des Guerillero, Leipziger Buchmesse, 23.3.2017, 17 Uhr

Das Buch: Heinz-Joachim Simon: Che – Der Traum des Guerillero. Acabus Verlag, Hamburg 2017, 524 Seiten, 16,00 Euro


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Die Rezensentin: Sarah Kruschner

 


 

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