Mordsstimmung bei Leipzig Liest

Der Südfriedhof: Einblick in einen außergewöhnlichen Leseort während der Buchmesse

Von Dora Starck

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Von Moos überwachsene Marmorgrüfte, geistesabwesend wirkende Engelsskulpturen, Pyramiden und Tempel aus dem Historismus und Jugendstil. Der 82 Hektar große Parkfriedhof, der vom Völkerschlachtdenkmal überschattet wird, erinnert durch seine 30 Abteilungen und Nebengässchen an ein Labyrinth, in dem man sich schneller als gedacht verlieren kann. Und sich plötzlich vor dem jungen Grab einer Selbstmörderin wiederfindet, auf welchem die Leiche einer Frau zwischen den Trauerkränzen liegt!

Davon handelt zumindest eine der Geschichten, die hier während der Buchmesse im Rahmen von Leipzig Liest vorgestellt werden. Fünf Veranstaltungen, von Krimi-Kurzgeschichten über Hörspiel bis zu Poetry-Slam, werden beim beliebten Lesefest an dem entrückten Ort für Gruselstimmung sorgen.

Südfriedhof1Wer sich nicht für eine Veranstaltung entscheiden kann, hat in Der Langen Nacht der kurzen Krimis die Chance, gleich acht Autoren zu lauschen. Hier stoßen Sie auch auf den Zeichner Ralf Alex Fichtner, der sonst für schwarzhumorige Comics und Bildergeschichten bekannt ist. Begleitend zur Veranstaltung zeichnet er auf kreative Art und Weise Ihr Blutbild – was genau es damit auf sich hat, wird sich erst vor Ort zeigen. Für Lyrikfans gibt es mit Ingo Cesaro bei Eine schöne Leich, Schatten der Engel und die Schwarze Kunst Krimis in der traditionellen japanischen Gedichtform des Haiku. Fans des Geisterjägers John Sinclair von Helmut Rellergerd werden bei John Sinclair Das Ende genau richtig sein. Hier stellen Sprecher wie Frank Glaubrecht, Alexandra Lange und Martin May die 100. Folge des Hörspiels live vor. Krimi, Lyrik, Musik und etwas zu lachen gibt es bei Sing, slamn Kill. Poetry-Slammer und mehrfacher deutscher Stadtmeister Armin Sengbusch verbindet auf humorvolle Weise seinen neuen Roman mit Slam-Einlagen und Krimi-Haiku. Wem aber die Leiche der Frau auf dem Grab der Selbstmörderin immer noch nicht aus dem Kopf gegangen ist, der findet bei der Lesung Der Schattenboxer von Horst Eckert Antworten auf seine Fragen.

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Immer noch nicht überzeugt? Vielleicht kann Sie ja der inspirierende Leseort umstimmen:

 Fernab vom Stadtrauschen ruhen hier nämlich zahlreiche Persönlichkeiten Leipzigs, die einst das Stadtbild durch ihr Lebenswerk prägten: Dichter, Wissenschaftler, Verleger, Thomaskantoren, Gewandhauskapellmeister, Industrielle und namhafte Politiker. Darunter auch die Mundartdichterin Lene Voigt, der Verleger und Begründer des Baedeker-Reiseführers Karl Baedeker sowie der Dichter und Professor Christian Fürchtegott Gellert. Zu seinen Schülern zählte sich auch der junge Goethe und seine Geistlichen Lieder und Oden wurden von Haydn, Bach und Beethoven vertont.

1886 eröffnet, spiegelt die Entstehung des Südfriedhofes die Veränderungen der alten Handels- und Messestadt wieder. Leipzig bekam durch die Industrielle Revolution nämlich einen massiven Zulauf an Einwohnern. Wohnten 1871 noch um die 100.000 Menschen in der Stadt, waren es zur Jahrhundertwende bereits 450.000 Menschen, die hier ihrem Leben nachgingen – und auch starben. Um ihnen einen letzten Ruheort zu gewähren, errichtete man als Erweiterung des alten Johannisfriedhofes den Südfriedhof.


 

  • Die Lange Nacht der kurzen Krimis, Donnerstag, den 12. März, 19.00 Uhr, Eintritt: 2,50 Euro
  • John Sinclair – Das Ende, Freitag, den 13. März 2015, 19.00 Uhr
  •  Eine schöne Leich’, Schatten der Engel und die Schwarze Kunst, Freitag, den 13. März 2015, 19.30 Uhr
  •  Der Schattenboxer, Samstag, den 14. März 2015, 19.30 Uhr
  •  Sing, slam’n kill, Sonntag, den 15. März 2015, 19.00 Uhr

Alle Veranstaltungen finden in der Trauerhalle auf dem Südfriedhof statt

Prager Str. 210 (Eingang nur über Prager Straße)

04299 Leipzig

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