Mit Rückenlast durch Thüringen

Das Autorenehepaar Iny Lorentz liest im Ägyptischen Museum.

Was kann unterhaltsamer sein als ein Roman über eine junge Frau, die als Balsamträgerin schwer beladen durch die Straßen zieht? Und das noch zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges? Die dabei auch noch Verbrechen aufklärt, Menschen rettet und beinahe als Hexe verbrannt wird? Noch unterhaltsamer ist die Geschichte hinter dem neuen Titel »Die Wanderapothekerin« von Iny Lorentz, die Geschichte des Autorenpaares Elmar Wohlrath und Iny Klocke selbst!

Beide schreiben gemeinsam unter dem Namen Iny Lorentz und sind so erfolgreich, dass ihre Bücher insgesamt 13 Millionen Mal verkauft wurden. Wie das geht, möchte sicherlich so mancher wissen. Vom Schreiben reich werden, ein Luxusleben führen, so stellen sich viele das Leben erfolgreicher Autoren vor. Dabei ist so ein Dasein alles andere als stressfrei! Die beiden arbeiten praktisch rund um die Uhr: Die Urlaube funktionieren sie zu Recherchereisen um, in freien Stunden diskutieren sie das nächste Projekt. Das alles erzählt Iny, Elmar ist anfangs schweigsam.

Elmar Wohlrath (links) und Iny Klocke im Ägyptischen Museum. © Yasmin Al-Iriani
Elmar Wohlrath (links) und Iny Klocke im Ägyptischen Museum. © Yasmin Al-Iriani

Nach der Recherche wird geschrieben. Die Rohfassung erstellt immer Elmar, Iny feilt daran. Insgesamt überarbeiten sie jeden Roman mindestens fünf Mal. Dabei arbeiten sie immer an vier Romanen gleichzeitig: Einen schreiben, einen überarbeiten, einen recherchieren und einen planen. »Beim Schreiben streiten wir uns nie, im Eheleben dagegen kann es mal zu Zoff kommen«, erzählt Iny. Trotzdem geht beim Schreiben jeder in sein eigenes Arbeitszimmer.

© Droemer Knaur
© Droemer Knaur

Erfolg brachte ihnen erstmals der Roman »Die Kastratin« im Jahr 2003, doch berühmt wurden sie mit der »Wanderhure«. Sie veröffentlichen daneben unter anderen Pseudonymen und nicht nur historische Romane, auch Fantasy, Heimatromane, Krimis. Das diene der Entspannung: »Nach drei historischen Romanen brauche ich wieder was Anderes«, so Elmar. Er könne nicht untätig dasitzen, also schreibe er eben in einem anderen Genre, um »die Feder des historischen Romans wieder zu spannen«.

Beim Lesen wechseln sich beide an diesem Abend im Ägyptischen Museum ab. Sie tragen nur zwei kleine Abschnitte vom Anfang der Geschichte vor, um das Publikum neugierig zu machen. »Die Wanderapothekerin« ist der erste Band einer neuen Reihe. Zur Recherche mussten die Münchner Autoren quer durch Thüringen fahren, vor allem nach Königsee, denn dort fängt die Geschichte an: Klara muss das Reff schultern, um ihre Mutter und den kleinen Bruder vor dem Bettelstab zu retten, nachdem ihr Vater und ihr älterer Bruder spurlos verschwunden sind. Was der Onkel wohl damit zu tun hat und was es mit dem Schatz auf sich hat? So spannend wie das Buch ist, legt der Leser es nicht aus der Hand, ehe er es zu Ende gelesen hat und erfährt, ob die Wanderapothekerin ihre Strecke schafft. Und inzwischen haben die Autoren bestimmt schon die nächsten zehn Seiten von einem neuen Buch geschrieben.

Beitragsbild © Droemer Knaur


Die Veranstaltung: Iny Lorentz lesen aus der Wanderapothekerin, Moderation: Andrea Jope, Ägyptisches Museum, 24.3.2017, 19.30 Uhr

Das Buch: Iny Lorentz: Die Wanderapothekerin. Droemer Knaur, München 2017, 640 Seiten, Taschenbuch 9,99 Euro, E-Book 9,99 Euro


 

 

Die Rezensentin: Yasmin Al-Iriani

 


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