Messeempfang im Bibliotop

Die inoffizielle Buchmesseneröffnung vor der eigentlichen Eröffnung

Die Leipziger Buchwissenschaft gestaltet auch 2018 die Leipziger Buchmesse mit und rühmt sich auch dieses Jahr damit, die inoffizielle Eröffnung vor der eigentlichen Eröffnung zu veranstalten: Im kleinen Rahmen bei Brezeln und Sekt begrüßt Siegfried Lokatis, Professor der Leipziger Buchwissenschaft, die Gäste und muss sie leider erst einmal enttäuschen, denn der vermeintliche Star dieser Veranstaltung, der renommierte Philosoph Kurt Flasch, ist durch einen grippalen Infekt verhindert. Das Publikum wird sichtlich unruhig bei dieser Information, es wird mit vorgehaltener Hand getuschelt, sind sie doch letzten Endes auch seinetwegen her gepilgert.

Doch Professor Lokatis, der in Leipzig bekannt für seine Improvisationskünste ist, weiß Rat: Mit seinem allseits bekannten Charme und reichlich Ablenkungsmanövern führt er die Menge durch das Bibliotop, wo es auch einiges zu entdecken gibt: Das Bibliotop ist nämlich dreierlei: Erstens ein Museum für allerlei Verlagskitsch, zweitens ein Archiv für Bücher (obviously!) und drittens ebenso eine Forschungsstätte. Es fällt nicht schwer vor allem ersteres zu bestätigen und so ist allein der Gang durch die vielen kleinen Räume und Flure tatsächlich eine große Entdeckungsreise.

Ittai Tamari und Siegfried Lokatis freuen sich über das Interesse an jüdischer Druckkunst. © Aina Al-Athamneh

Die Gäste sind also allmählich über das Fehlen Kurt Flaschs hinweggetröstet, was vielleicht auch an reichlich Sekt und Brezeln liegen könnte und so beginnt Lokatis das Gespräch mit den anderen und nicht minder interessanten Gästen: Ittai Joseph Tamari ist nämlich zugegen, er ist Spezialist für hebräischen Buchdruck und stellt sein Projekt zur jüdischen Druckkultur vor. Das Ziel dabei ist, einen vollständigen Katalog aller verschiedenen hebräischen Schriftarten der Vergangenheit zusammenzustellen, die sonst über die Jahrhunderte verloren gehen würden. Es geht also nicht um die Inhalte, sondern darum das Format, die Form und Schriftart der Bücher zu erhalten und somit ein Lexikon der hebräischen Letter zu schaffen. Heutzutage gebe es nämlich nur noch eine einzige populäre Schriftart, die »Times New Roman des Judentums« sozusagen.

Reinhard Scheuble gewährt Einblick in seine buchkünstlerische Arbeit. © Aina Al-Athamneh

Im Anschluss daran ist Lokatis im Gespräch mit Reinhard Scheuble, dem Gründer des Quetsche Verlag für Buchkunst, der seinen Verlag vorstellt und auch einige Anschauungsexemplare bereitgestellt hat, die die Gäste interessiert bestaunen. Scheuble sieht sich dabei weniger als Künstler, sondern mehr als Macher: Er sucht Papier, Schriftart und Größe aus, doch was dabei rauskommt, kann man ohne Frage als Buchkunst bezeichnen. Es wird Wert auf das Artwork, Design und Qualität gelegt, was sich auch in den durchschnittlich hohen Preisen widerspiegelt. Am Ende ist das Publikum allemal versöhnt: Trotz Fehlen des großartigen Kurt Flaschs ist Lokatis ein unterhaltsamer Empfang zur Leipziger Buchmesse gelungen – ja, die inoffizielle erste Veranstaltung vor der eigentlichen ersten Veranstaltung hat sich auch dieses Jahr bewährt.

Beitragsbild: Professor Lokatis in seinem Element mit Buch und Publikum im Bibliotop. © Aina Al-Athamneh.


 

 

Die Rezensentin: Alina Al-Athamneh

 


 

Ein Gedanke zu „Messeempfang im Bibliotop

  1. Ein toller Beitrag, beinahe so, als ob man selbst dort gewesen wäre. So muss Berichterstattung sein! Vielen Dank!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.